Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

307

Nebenprodukte,  nämlich  das  Leimleder;  denn  dieses  entspricht  seiner
ganzen  Natur  nach  mehr  den  Eigenschaften,  welche  die  Voraussetzung
zur  Bildung  festerer  industrieller  Zusammenschlüsse  darstellen.  Aber
auch  diese  Bestrebungen  haben  bis  jetzt  eine  Realisierung  nicht  gefunden  J ).
Gehen  wir  nun  über  zu  den  Organisationen  der  Arbeiter!
Die  Werkmeister  gehören  dem  deutschen  Werkmeisterverbande  an,
und  dessen  Bestimmungen  und  Bedingungen  gelten  für  sie.  Einen  Verband ­
  von  speziellen  Lederindustriewerkmeistern  gibt  es  nicht.
Die  Arbeiter  der  Weißlederindustrie  in  den  älteren  Organisationen
der  Gesellenverbände  haben  wir  bereits  kennen  gelernt.  Diese  Verbände ­
  sind  wichtig,  weil  sie  die  historische  Voraussetzung  zum  Entstehen ­
  der  modernen  Organisationen  darstellen 2 ).
Die  Organisation  der  Weißgerber  in  den  Hirsch-Dunker'schen
Gewerkvereinen,  in  den  christlichen  Gewerkschaften,  in  den  gelben
Gewerkschaften  und  in  den  noch  mitgliederärmeren  Organisationen  läßt
sich  nicht  verfolgen,  weil  die  „Christliche  Gewerkschaft  der  Lederarbeiter",
wie  auch  der  Hirsch-Dunker'sche  Verein  der  Schuhmacher  und  Lederarbeiter, ­
  und  ganz  ähnlich  erst  recht  die  noch  kleineren  Verbände  keine
Ausscheidung  der  Weißgerber  kennen^).
Nur  diefreienGewerkschaften  haben  wenigstens  eine  Zeitlang
die  Weißgerber  als  einen  getrennten  Verband  mit  sich  geführt,  und  hier
erhalten  wir  daher  einen  etwas  genaueren  Einblicks:
Der  Deutsche  Weißgerberverband  führt  seine  Entstehung  zurück
auf  einen  im  Jahre  1872  verlorenen  Streik  der  Berliner  Weißgerberbruderschaft, ­
  einer  Gesellengenossenschaft,  welche  daraufhin  in  einem
Rundschreiben  zur  Gründung  einer  Organisation  aufforderte,  „die  durch
festes  Zusammenhalten  die  Moral,  die  Ehre  und  die  materiellen  Interessen ­
  der  Weißgerbergesellen  zu  wahren  und  zu  fördern  hätte".  Im
August  1872  wurde  auf  einem  Kongreß  in  Berlin  die  neue  Organisation
gegründet  unter  dem  Namen  „Norddeutscher  Weißgerberbund".  Die
lüddeutschen  Weißgerber  schlossen  sich  zunächst  dem  Bunde  nicht  an.
Die  Organisationssorm  war  eine  solche,  daß  alle  Ortsvereine  als  solche
selbständige  Vereine  blieben  mit  eigenen  Satzungen  und  Beiträgen,  und
baß  sich  diese  Vereine  als  solche  für  bestimmte  Zwecke  zum  Norddeutschen ­
  Weißgerberbund  vereinigten.  Den  ersten  Nachweis  über  die
Mitgliederzahl  finden  wir  auf  dem  dritten  Berliner  Kongreß  von  1874,
es  waren  vertreten  27  Vereine  mit  680  Mitgliedern.  Der  Kongreß  zu
')  Vgl.  S.  314  ff.  -)  Vgl.  S.  263  ff.
3 )  Ledermarkt  1911,  Nr.  79;  Jörissen  1909.
4 )  Ich  stütze  mich  hier  auf  die  Jahresberichte  des  Zentralverbandes  der  Lederarbeiter ­
  und  -Arbeiterinnen  Deutschlands,  auf  das  Berbandsorgan  und  auf  Privatvütteilungen
  dieses  Verbandes.

20*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.