312
tabilischen und Chromgerberei in genügender räumlicher Konzentration
vorkommt um einen eigenen Standort einer Gerbereimaschinenindustrie
zu ermöglichen, so werden die Arbeitsmaschinen der Weißgerberei ebenfalls
an diesen Standorten hergestellt.
Wir sehen also schon aus der Betrachtung des Bedarfs und
Betriebes, welche vielseitige Einfügung der Gerberei sich in den internationalen
Staatenverband einerseits, in den Kreis der diesen Bedarf
deckenden Produktionen andererseits ergibt. Fast noch vielseitiger und
mannigfaltiger wird diese Einfügung der hier in Betracht kommenden
Gewerbe und Jndustrieen auf Grund ihrer Haupt- und Nebenprodukte.
8 31. Haupt- und Nebenprodukte.
Hauptprodukt der Gerberei ist die gare Haut; da aber die Bindesubstanzen
der Tiere ursprünglich das einzige dem Menschen zur Verfügung
stehende Material darstellen, welches mit flächenhafter Ausbreitung
und geringer Dicke eine große Festigkeit und Geschmeidigkeit verbindet,
so ist dieser Gesichtspunkt derjenige, welcher uns den mehr tausendjährigen
Konkurrenzkampf von Ersatzstoffen gegen diese natürlichen flächenhaften
Materialien verständlich macht.
Auf die Herstellung von G e f ä ß e n, Schläuchen usw. aus Häuten
z. B. mit Alaun und Teer in kaukasischen Gegenden wurde mehrfach
hingewiesen, und es bedeutet eine der ersten Kulturerrungenschaften,
wenn das Gewerbe der Töpferei die Gerberei aus diesen Gebieten
verdrängt.
Die Verwendung der tierischen Haut zu Schreibmaterialien
entstammt ebenfalls verhältnismäßig primitiven Wirtschaftskreisen, und
noch bis in die neuere Zeit herein hat sich ein eigenes, oft mit der Weißgerberei
verbundenes Gewerbe speziell mit der Herstellung von Schreibmaterialien
aus tierischen Fellen beschäftigt; wir haben gesehen, wie
lange es gedauert hat, bis der modernere Schreibstoff des Papiers den
älteren Rivalen aus allen Gebieten, wie Schreibmaterialien, Tapeten,
Überzügen von Etuis, Bucheinbänden usw. verdrängte, um damit den
völligen Ruin eines ganzen Gewerbes herbeizuführen.
Noch nicht überwunden ist dagegen die uralte Verwendung von
Leder zu Kleidungsstücken; die Sämischgerberei leitete vornehmlich
daraus ihre Existenz ab, und erst, als die billige Baumwolle, fabrikmäßig
zu Tuchen verarbeitet, die billigen Ersatzstoffe für Sämischleder
und auch für Weißleder lieferte, ergab sich daraus abermals der Untergang
einer Handwerkerkategorie.
Die Verwendung von Leder zu Handschuhen und Schuhen
stellt heute den letzten Rest des ursprünglichen Bekleidungssystemes dar,