Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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lichen  Vereinigung  hat  die  Erzeugung  der  Beizen  zu  verzeichnen.  Eine
selbständige  Industrie  gründet  sich  jedoch,  und  auch  hier  erst  seit  kurzem,
auf  die  Herstellung  der  Milchsäure;  während  bis  1895  der  geringe
Milchsäurebedarf  zum  Teil  durch  Einfuhr  aus  England  gedeckt  wurde,
entstanden  seit  1895  in  Deutschland  eigene  Spezialfabriken  *),  letztere
allerdings  nicht  allein  durch  den  Bedarf  der  Gerberei  hervorgerufen
und  ermöglicht.
Hier,  wie  auch  durch  den  Bedarf  von  Kalk,  Arsenik  und  Chemikalien ­
  steht  die  Gerberei  mit  dem  Bergbau  und  mit  der  chemischen
Industrie  in  Verbindung.
Der  Bedarf  der  Gerberei  an  Betriebsmitteln  hat  eine  weitere
Reihe  technischer  und  ökonomischer  Verkettungen  zur  Folge.  Im
Vordergrund  des  Interesses  steht  hier  der  Bedarf  an  Kraftmaschinen
und  zwar  dieser  Bedarf  weniger  deswegen,  weil  er  eine  Abhängigkeit
der  Gerberei  von  den  solche  Arbeitsmaschinen  erzeugenden  Jndustrieen
erkennen  läßt  —  letzteres  natürlich  auch  —,  sondern  hauptsächlich
deswegen,  weil  dieser  Bedarf  zwei  interessante  und  beachtenswerte
Konsequenzen  erzeugt.  Die  erste  Konsequenz  von  mehr  historischer
Bedeutung  ist  die  rechtliche  Einfügung  der  Gerberei  auf  Grund  der  zum
Betrieb  der  Walke  erforderlichen  Wasserkraft,  sowie  die  ökonomische
Einfügung  der  Gerberei  in  den  Kreis  der  Gewerbe,  welche  sich  der
Walke  als  eines  gemeinsamen  Produktionsmittels  bedienten  Die  zweite
Konsequenz  von  hervorragender  gewerbepolitischer  Bedeutung  ist  die
Zugänglichmachung  der  modernen  Arbeitskräfte  (Wasser,  Dampf,  Elektrizität ­
  usw.)  für  das  noch  bestehende  Handwerk  in  seinem  Existenzkämpfe
gegenüber  der  Industrie.  In  welchem  Umfange  das  möglich  und
vorhanden  ist,  habe  ich  oben  ausgeführt.
Die  Betrachtung  der  Arbeitsmaschinen  endlich  hat  ergeben,
welche  Menge  geistiger  Konstruktions-  wie  auch  technischer  Präzisionsarbeit
geleistet  werden  mußte,  und  noch  geleistet  wird,  um  Arbeitsmaschinen
herzustellen,  welche  gleichmäßig  dem  Geiste  des  zu  verarbeitenden
Rohmaterials  wie  auch  dem  Geiste  der  Maschine  entsprungen  sind.
Hiervon  hängt  es  wesentlich  mit  ab,  ob  sich  durch  Erreichung  der  neuen,
vollkommenen,  maschinellen  Harmonie  die  Weißgerberei  aus  einem  immer
noch  mehr  Manufakturellen  Charakter  wird  zur  Großindustrie  entwickeln
können;  damit  freilich  entscheidet  sich  auch  der  Kampf  zwischen  Industrie
und  Handwerk  weiterhin  zu  ungunsten  des  letzteren.  Beachtenswert
sür  die  Industrie  der  Arbeitsmaschinen  ist  ihr  Standort,  welcher,  wie
das  auch  bei  anderen  Jndustrieen  zu  beobachten  ist,  vom  Standort  der
Hauptverbraucher  abhängt;  da  aber  nur  die  Großindustrie  der  vege-1

 )  Dämmer  1911,  Bd.  I,  S.  674  f.

s )  Vgl.  S.  147  ff.
            
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