Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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der  Gerberei  in  ihrem  Standorte  zum  Ausdruck  bringt,  wenn  nicht
sogar  heute  noch  Gerberei  und  Leimsiederei  im  gleichen  Betriebe  verbunden ­
  sind  i).  Um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts  befanden  sich
die  Leimsiedereien  in  den  Orten  starker  Ledermanufaktur,  so  in  Sachsen
in  den  Orten  Görlitz  und  Bautzen 2 ),  1845  war  in  Württemberg  ebenfalls ­
  die  Leimfabrikation  hervorragend  in  Reutlingen,  Metzingen,  Calw,
Göppingens,  und  1849  waren  in  Preußen  133  Leimsiedereien  vorhanden, ­
  davon  37  in  den  Bezirken  Köln,  Düsseldorf  und  Arnsberg,  36
in  der  Provinz  Sachsen,  21  in  der  Provinz  Brandenburgs);  daraus
ersieht  man,  daß  auch  Rotgerbereien  Anlaß  zu  Hauptsitzen  von  Leimlederfabrikation ­
  werden  können.
Trotz  des  Übergangs  zum  Knochenleim  wird  der  inländische  Leimbedarf ­
  weder  von  den  inländischen  Leimfabriken  noch  von  den  inländischen ­
  Haut-  und  Knochenabfällen  vollständig  gedecktes.  Daher  finden
eine  ganze  Reihe  moderner  Bestrebungen,  auch  gegerbte  Hautabfälle,  ja
sogar  chromgares  Leder  wieder  in  Leim  überzuführen,  in  einer  Reihe
von  Patenten  ihren  Ausdruck  °).  Die  deutsche,  besonders  württembergische
  Leimfabrikation  hat  sich  in  der  ersten  Hälfte  des  vorigen
Jahrhunderts  unter  der  Konkurrenz  der  französischen,  auf  rationelleren
wissenschaftlichen  Methoden  aufgebauten  Leimfabrikation,  so  wie  unter
dem  Einfluß  der  französischen  Zollpolitik  nur  langsam  entwickelt 7 ),  und
erst  der  allgemeine  Aufschwung  in  Deutschland  in  der  zweiten  Hälfte
des  19.  Jahrhunderts  stellte  auch  die  deutsche  Leimlederindustrie  auf
einen  solideren  Boden  und  hat  sie  zu  einer  beachtenswerten  Größe
heraufgeführt.
Aber  mit  der  dadurch  bewirkten  Trennung  der  Leimfabrikation
von  der  Gerberei  sind  die  Leimfabrikanten  die  fast  alleinigen  Abnehmer ­
  des  Leimleders  geworden,  und  die  Gerber  sind  die  fast
alleinigen  Lieferanten  des  Ausgangsmateriales  der  Lederleimfabrikation.
Die  dadurch  entstandene  gegenseitige  Monopolstellung  hat  nicht  verfehlt,
ihre  Folgen  zu  zeitigen.  Das  Leimleder  wird  sehr  häufig  naß  versandt, ­
  es  wird  nach  dem  Gewicht  verkauft,  und  der  Gerber  ist  den
Leimfabrikanten  oder  Händlern  in  diesen  Fällen  ziemlich  in  die  Hand
gegeben,  weil  er  bei  Nichtakzeptierung  unberechtigter  Anstände  an  einer
eben  abgegangenen  Ladung  das  feuchte  Leimleder  durch  Rücksendung
oder  Einlagerung  dem  Verderben  aussetzt;  daher  befindet  sich  der  Gerber
9  Schuh  und  Leder  1897,  Nr.  42,  S.  29.  2 )  Rößig  1803,  Bd.  II.
3 )  Mahl  1845,  S  576.  4 )  A.  London  1853,  S.  463.
6 )  Vgl.  Dämmer  1911,  Bd.  III,  S.  940ff.;  Jörisscn  1909,  S.  304.
°)  Vgl.  Zeitschrift  für  Angew.  Chemie  1808,  Si  2425;  Allgem.  Produktenzcitung
  1912,  S.  1070;  Dämmer  1911,  Bd.  III,  S.  940f.
7 )  Mohl  1845,  S.  576.
            
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