Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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wisses Maß menschlicher körperlicher Arbeit, und diese hat selbst 
verständlich stets eine stärkere und einseitigere Ausbildung gewisser 
Muskelgruppen zur Folge. Die Forderungen der modernen Sozial 
politik, alle diese, wohl etwas zu scharf als Schädigungen bezeichneten 
Folgen unvermeidlicher körperlicher Arbeit völlig auszuschließen, gehen 
zu weit, da solchen ins Extrem ausgebauten Forderungen nur durch 
völlige Sistierung aller Arbeit entsprochen werden könnte. 
Möglichste Vermeidung von Betriebsunfällen wird erstrebt in 
den Unfallverhütungsvorschriften der Lederindustrieberufsgenossenschaft. 
Da Staub in Weißgerbereien in lästiger und schädlicher Menge 
kaum auftritt, finden wir hier auch verhältnismäßig wenig Ein 
richtungen zur Bekämpfung einer Staubplage. 
Kalk und Arsenik sind zur Haarlockerung bis jetzt unvermeidliche 
Agentien, da es noch nicht gelungen ist, einen gleich wirksamen und 
billigen Ersatz für sie zu finden. So ist möglichster Schutz des Arbeiters 
gegen ihre giftige und ätzende Wirkung erforderlich. Interessant ist 
hier eine Bestimmung aus dem Meisterstück der Pariser Weißgerber, 
wonach eine Haut mit Wolle „mit den Handschuhen an der Hand" in 
24 Stunden fertig zu machen ist 1 ); denn diese Handschuhe sind ohne 
Zweifel ein Schutz der Hand gegen die hier in Frage kommenden 
Agentien, wie er auch heute noch vielfach in Gerbereien angewandt wird. 
Die bisher angewandten Vorschriften und Einrichtungen haben sich 
verhältnismäßig leicht gefunden und leicht eingeführt; eine wirksame Be 
kämpfung der Infektionsgefahr dagegen ist, wie die oben für Milz 
brand angeführte Statistik zeigt, bisher nicht gelungen. Hygieniker, 
Gesundheitsamt, Berufsgenossenschaft, lokale Verwaltungsbehörden und 
Gerbereibesitzer sind eins in dem Bestreben möglichster Bekämpfung, 
aber der Erfolg ist bis jetzt nicht erreicht. Eine im Kaiserlichen Ge 
sundheitsamte ausgearbeitete und seitens des Reichskanzlers unter dem 
18. April 1891 veröffentlichte Anleitung bezieht sich auf den Schutz 
gegen Gesundheitsschädigungen durch ausländische Rohhäute. Die Leder 
industrieberufsgenossenschaft hat ein mit farbigen Abbildungen versehenes 
Merkblatt herausgegeben: „Belehrung betreffend die Entstehung und 
Bekämpfung der Milzbranderkrankung", die amtliche Belehrung über 
Gesundheitsschädigungen durch den Verkehr mit ausländischen Roh 
häuten enthält in ihrer neueren abgeänderten Form eine Belehrung 
und Vorsichtsmaßregeln gegen Milzbrand 2 ), bei der Besprechung der 
Rohstoffe wurde darauf hingewiesen, wie man das Milzbrandproblem 
in Verbindung mit der Rohhautkonservierung zu lösen versucht, man 
hat eine besondere Milzbrandsterilisierungsmethode ausgearbeitet^), bei 
*) Schauplatz 1775, 53b. II, S. 268. *) Ledermarkt 1902, Nr. 94, S. 3. 
•) Collegium 1911, S. 106, 248.
	        
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