Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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als  Spanien  1701  dm  Handel  von  Buenos  Aires  an  Frankreich  abgetreten ­
  hatte,  gingen  die  amerikanischen  Häute  direkt  nach  Frankreich,
wo  sie  wegen  ihrer  vorzüglichen  Qualität  leicht  gegen  die  Häute  aus
der  „Barbarey",  aus  Indien  und  Peru  konkurrieren  konnten  x ).  Durch
den  Traktat  von  Utrecht  wurde  der  Häutehandel  mit  Ausschließung  aller
Nationen  an  England  abgetreten,  so  daß  sich  die  Engländer  nunmehr ­
  allein  im  Besitze  der  Häute  von  Buenos  Aires  sahen  2  з  *  *  *  * );  letztere
Tatsache  beweist  immerhin  die  relative  Wichtigkeit  des  amerikanischen  Häuteimports ­
  schon  am  Anfan  ge  des  18.  Jahrhunderts,  da  man  diesen
unter  anderem  zum  Objekt  eines  völkerrechtlichen  Vertrages  macht,  um
eine  Monopolisierung  dieses  Imports  durch  eine  einzige  Nation  zu  ermöglichen. ­
  Um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  findet  in  Europa
schou  ein  ganz  bedeutender  Häuteverbrauch  südamerikanischer  Provenienz
statt  und  die  jährliche  Ausfuhr  Südamerikas  an  Häuten  betrug  etwa
1  Million  Livres 8 );  man  beklagt  sich  auf  dem  Kontinent,  daß  die
brasilianischen  Häute  Schnitte  Habens,  und  die  Ursache  derselben  ist
die  geringe  Sorgfalt,  mit  welcher  sie  in  Amerika  abgezogen  werden,  da
man  dort  einen  Baum  niederschlägt,  nur  um  die  Früchte  abzubrechen,
und  einen  Ochsen  tötet,  nur  um  seine  Haut  zu  besitzen ö );  man  erlegte
die  Tiere,  um  ihre  Häute  und  ihr  Fett  zu  benutzen,  das  Fleisch  blieb
ungenutzt  liegen 8 ),  oder  es  wurde  an  der  Luft  getrocknet  und  dann
meist  nach  Westindien  ausgeführt').  Um  1767  wurden  allein  aus  der
Gegend  von  Buenos  Aires  jährlich  gegen  30000  Stück  Viehhäute  wegtransportiert ­
  8 ),  und  seit  1724  lag  in  Frankreich  auf  den  Buenos  Aires-Häuten
  ein  geringerer  Einfuhrzoll  als  auf  Häuten  anderer  Provenienzen,
damit  Häute  geringerer  Qualität  nicht  denen  von  Buenos  Aires  vorgezogen ­
  würden 9 ).  Um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  wurde  in
Frankreich  durch  einen  eigenen  Befehl  verordnet,  daß  die  brasilianischen
und  andere  starke  Häute  nur  dann  zum  Verkaufe  ausgeboten  werden
dursten,  wenn  sie  mindestens  1  Jahr  im  Kalk  und  2  Jahre  in  der
Lohe  gelegen  hatten 10 ).  Außer  Ochsenhäuten  wurden  damals  aus
Amerika,  vornehmlich  aus  Kanada  und  Louisiana,  auch  Dammhirschhäute ­
  u.  a.  bezogen  X1 ).
1777  gehen  die  Buenos  Aires-Häute  als  sog.  Wildhäute  über
Holland  nach  Deutschland 12 ),  um  1800  werden  amerikanische  Ochsen--)

  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  429.  2 )  Ebenda.
з )  Gülich  1830,  Bd.  V,  S.  52.  ")  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  417.
°)  Ebenda  und  Jörissen  1909,  S.  39.
«)  Deutsche  Gerberzeitung  1889,  Nr.  24.  ')  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  98.
“)  Schauplatz  1767,  Bd.  VI,  S.  57.  °)  Schauplatz  1766,  Bd.  V.  S.  429.
1°)  Schauplatz  1766,  Bd.  V,  S.  430.
и )  Schauplatz  1775,  Bd.  IV,  S.  120.

12 )  Pfeiffer  1777,  S.  366.
            
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