Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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boreern usw. anzuführen, da jede größere Ethnographie oder Anthro 
pologie darüber orientiert*). 
Daß auch im klassischen Altertum dieses Material noch zum Nähen 
von Leder in Verwendung stand, dafür zeugen eine Stelle bei Hesiod"), 
wie vielleicht auch Ausgrabungen"). 
Indes ist es der vertieften Erkenntnis über die uns von der Natur 
zur Verfügung gestellten Produkte und der fortgeschrittenen Produktions 
technik schon in verhältnismäßig früher Zeit gelungen, die als Bänder 
und Sehnen vorkommenden Bindesubstanzen durch andere Stoffe voll 
kommen zu ersetzen und zu verdrängen; wir erfahren nichts über die 
Verwendung derselben zu irgendwelchen Zwecken im Mittelalter, und 
erst wieder in merkantilistischer Periode sehen wir*), wie man in Frank 
reich die sonst üblichen Hangeriemen für Kutschen aus weißgarem 
ungarischen Leder durch schwere ölgare Sehnen zu ersetzen suchte. 
In der neuesten Zeit endlich erscheint — diesmal in der auf Ver 
wendung von Gerbereiabfällen gerichteten Industrie — ein Versuch zur 
Überführung von Sehnen in künstliches Fischbein durch eine Art von 
Chromgerbung °) bemerkenswert. 
Sehen wir so bei den aus dem Innern des Körpers stammenden 
Bindegewebssubstanzen, daß diese bereits in eine dritte Phase wirt 
schaftlicher Wertschätzung eingetreten sind, indem nämlich auf einen Zu 
stand hoher Wertschätzung bei Primitiven ein Stadium vollen Ersatzes 
bei fortgeschrittener Produktionstechnik, und darauf wieder eine Phase 
beginnender und steigender Wertschätzung im Zeichen speziellster Be 
dürfnisse und eingehendster Substanzausnützung erfolgt ist, so dürfen 
wir von der tierischen Haut behaupten, daß sie bei fast allen Völkern 
von Anfang an bis heute sich noch auf der ersten wirtschaftlichen Phase 
hoher, und noch dazu stets gestiegener und stets weiter steigender Wert 
schätzung befindet, weil hier bis jetzt alle Versuche als mißglückt zu be 
trachten sind, welche auf einen vollwertigen Ersatz des unter der Epi 
dermis vorkommenden Bindegewebes abzielten. 
Dieses Bindegewebe umhüllt, unter der ganzen Fläche der Epi 
dermis verlaufend, die gesamte Außenfläche des animalen Körpers, und 
es wird mit der Epidermis unter dem gemeinsamen Namen „Haut" 
zusammengefaßt. Schon bei den einfachsten Metazoen läßt sich die An 
wesenheit eines dünnen Bindegewebes unter der Epidermis feststellen, 
im Hautmuskelschlauch der Würmer findet sich eine zellenhaltige Binde- 
gewebsschicht zwischen der hier noch einschichtigen Epidermis und der 
1 ) Ausführliche Angabe bei Montelius 1906, S. 20—21; Cook 1789, Bd. VI, 
S. 102. 1 2 3 ) Hesiod 0. et d. S. 544; Hehn 1911, S. 14—16. 
3 ) Gcrberzeitung 1888, S. 302. *) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 87. 
6 ) Gerbercourier 1899, Nr. 20.
	        
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