Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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6.  Errichtung  staatlicher  Tanks.
Zu  den  vorstehend  besprochenen  häufig,  besonders  in  der
Presse,  empfohlenen  Vorschlägen  gesellte  sich  in  letzter  Zeit  ein
neuer.  Er  ist  niedergelegt  in  Bi'ackel-Leis  »Der  dreissigjährige
Petroleumkrieg«,  S.  429  ff.,  wird  auch  von  Wolff  empfohlen  und
geht  kurz  gesagt  dahin,  überall  grosse  staatliche  Tanks  zu  bauen,
diese  mit  trustfreiem  Petroleum  zu  füllen  und  sich  so  von  dem
Einflüsse  Rockefellers  zu  emanzipieren.  Auf  den  ersten  Blick  hat
dieser  Vorschlag  etwas  Bestechendes.  Bei  näherer  Prüfung  steigen
jedoch  allerlei  schwerwiegende  Bedenken  auf.
Zunächst  krankt  er  von  vornherein  an  der  grossen  Schwäche,
dass  jedem  gestattet  sein  soll  bez.  muss,  Oel  auf  eigene  Rechnung
in  den  staatlichen  Tanks  zu  lagern.  Nun  bestehen  aber  zwischen
einzelnen  Sorten,  z.  B.  dem  guten  798  gr  schweren  pennsylvanischen
  und  dem  820  gr  schweren  Texasöl  oder  gar  den  noch
schwereren  russischen  und  rumänischen  Oelen  oft  ziemlich  erhebliche ­
  Qualitätsunterschiede.  In  den  Tanks  aber  kann  keine  Scheidung ­
  gemacht  werden.  Also  würde  jemand,  der  vielleicht  Pure
Oil  zur  Einlagerung  brächte,  bei  Präsentation  seines  Lagerscheines
ein  minderwertiges  Gemisch  aller  möglichen  Sorten  erhalten.  Es
läge  im  Interesse  eines  jeden,  nur  möglichst  schlechtes  Oel  einzulagern. ­
  Unreines  Brennen  und  hygienische  Nachteile  wären  die
Folge  davon.  Wenn  der  Trust  Rohöl  aufkauft  und  es  unterschiedslos ­
  in  seine  pipe  lines  pumpt,  kann  er  ruhig  certificates
darüber  ausgeben,  weil  die  Qualität  ziemlich  gleich  bleibt,  etwaige
Unterschiede  auch  durch  die  Raffination  noch  aufgehoben  werden.
Für  Deutschland  aber  liegt  die  Sache  wesentlich  anders.  Und
Tanks  für  jede  einzelne  Provenienz  bauen  wollen,  wäre  wohl  viel
zu  kostspielig.  Sie  würden  sich  auch,  ganz  abgesehen  hiervon,
gar  nicht  rentieren,  da  der  Zwischenhandel  durch  den  Strassenwagenbetrieb
  ausgeschaltet  ist  und  die  Kleinhändler  ihr  Oel  aus  klar
auf  der  Hand  liegenden  Gründen  nicht  in  ihnen  einlagern  würden.
Brackel-Leis  sind  der  Ansicht,  die  Errichtung  eigener  Tanks
sei  für  den  Staat  geradezu  eine  Notwendigkeit.  Einmal,  damit
bei  einer  eventuellen  Sperrung  des  überseeischen  Zufuhrweges  in
Kriegszeiten  immer  genügend  Oel  vorhanden  sei,  um  wenigstens
den  Weiterbetrieb  der  Bahnen  zu  ermöglichen;  sodann  aus  dem
privatwirtschaftlichen  Grunde  der  besseren  Ausnützungsmöglichu.

  a.  auf  S.  86,  das  water  wliite  koste  15  Pfg.  per  Liter  mehr  als  das  Standard
white.  Der  Preisunterschied  ist  jedoch  nur  2  —  2V2  Pfg.  per  Liter!
            
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