Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

—  118  —
darf  nicht  gleich  mit  Riesenbetrieben  den  Himmel  stürmen  wollen.
Doch  sie  können  leicht,  steigendem  Verbrauch  sich  anpassend,
vergrössert  werden.  Jede  Ausdehnung  ihrer  Betriebe  aber  und
jede  neu  gegründete  Gasanstalt  bedeutet  für  die  Petroleumbeleuchtung ­
  eine  nur  äusserst  schwer  wieder  zu  erobernde  Position.
Darum  haben  die  Petroleumgesellschaften  allen  Grund,  die  Petroleumpreise ­
  möglichst  niedrig  zu  halten,  um  dem  Gas  möglichst
wenig  Angriffspunkte  zu  bieten.
Schluss.
Ich  komme  zu  folgenden  Ergebnissen:
1.  Ein  Monopol  Rockefellers  in  Deutschland  ist,  so  wie  die
Dinge  jetzt  liegen,  einfach  unmöglich.  Im  Gegenteil  stärkt  jede
Verbesserung  der  Lampenkonstruktion,  jede  von  den  ausseramerikanischen
  und  auch  von  den  texanischen  Produzenten  zur
Anwendung  gebrachte  bessere  Raffinationsmethode  die  Stellung
der  Trustgegner.
2.  Beim  Nichtbestehen  eines  Monopols  ist  auch  keine  absolute
Herrschaft  über  die  Preise  möglich.  Eine  ungerechtfertigte  oder
einseitig  erfolgte  dauernde  starke  Preissteigerung  verbietet  schon
die  freie  Konkurrenz,  die  notwendig  möglichst  billige  Preise  im
Gefolge  hat.  Dass  diese  Notwendigkeit  sich  auch  im  Petroleumhandel ­
  in  die  Tatsache  umgesetzt  hat,  beweist  die  Preistabelle
auf  Seite  107/108,  beweist  die  ganze  Entwicklung  im  letzten  Dezennium. ­

3.  Der  Grosshandel  musste  verschwinden,  da  er  unzweckmässig ­
  war.  Sein  Gebiet  okkupierten  die  importierenden  Gesellschaften ­
  selbst  und  drangen  dadurch  bis  zum  Detaillisten  vor.
4.  Der  nächste  Schritt  wäre  das  Vordringen  bis  unmittelbar
zu  den  Verbrauchern  selbst,  also  Betriebsvereinigung  in  geradezu
idealer  Weise,  Produktion,  Veredelung,  der  gesamte  Handel  in
einer  Hand  zusammengefasst.
Dass  der  direkte  Vertrieb  an  die  Konsumenten  für  die  grossen
Gesellschaften  Vorteile  mit  sich  bringen  würde,  steht  ausser  Frage.
Abgesehen  davon,  dass  sich  der  Betrieb  an  sich  billiger  stellt,
würde  ein  Teil  des  bis  jetzt  noch  dem  Händler  zufallenden  nicht
unbeträchtlichen  Zwischennutzens  in  ihre  Tasche  fliessen.  Aber
der  Kampf  ist  gefährlicher  als  der,  der  s.  Z.  gegen  die  Grosshändler ­
  geführt  wurde.  Er  tangiert  einen  vieltausendköpfigen
Stand  und  dessen  Erwerbsverhältnisse  in  weit  höherem  Masse;
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.