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dass irgend ein Konkurrent direkt neben dem seinen ein Bohr
loch niederbrachte und seinen well dadurch trocken legte.
Diese Zustände waren unhaltbar und mussten zu einer grund
legenden Aenderung führen. Diese liess auch nicht lange auf
sich warten.
Schon um 1870 merkte man, dass aus unerklärlichen Ur
sachen einige unter einander in Verbindung stehende Unterneh
mungen glänzend gediehen und sich ausserordentlich schnell ver-
grösserten, während die sämtlichen anderen Produzenten über Ver
luste zu klagen hatten, in Armut, oft in Elend versanken, ihre
Reservoire und Raffinerien aufgeben mussten. Dieser kleinen
Oelclique gelang es, ohne dass über ihr Treiben vorher irgend
etwas in die Oeffentlichkeit drang, die ganze Entwicklung in eine
bestimmte Richtung zu drängen und binnen weniger Jahre einen
massgebenden Einfluss auf die ganze vielverzweigte Produktion
zu erlangen. Es dauerte lange, bis man den Urhebern dieser
Bewegung auf die Spur kam. Aber als man sie klarer erkannte,
war es bereits zu spät. Die Gruppe, deren leitender Geist der
aus ganz einfachen Verhältnissen hervorgegangene John D. Rocke
feiler war, sass bereits so fest im Sattel, dass die grössten An
strengungen der unter dem Zwange der Not sich zeitweise zu-
sammenschliessenden Produzenten, dass Volksaufstände, selbst
staatliche Untersuchungen und Machtsprüche sie nicht mehr her
auszuheben vermochten. Ihr gelang es, indem sie sich zwischen
die Produzenten und die Abnehmer schob (ebenso machte es
später Rothschild in Baku!), ohne einen Hektar ölführenden Landes
zu besitzen, auf Grund geheimer Verträge mit den das Oel nach
den Raffinerien an der Küste führenden Bahnen (die berüchtigten
geheimen Rabatte des South Improvement Cy Contract) den
ganzen Handel auf Gnade und Ungnade von sich abhängig zu
machen. Schon 1875 hatte sie das tatsächliche Monopol in Händen.
Einen gegen den andern ausspielend, mit allen paktierend, zwang
sie durch die Bahnen erst die Raffinerien, dann die Rohrleitungs
gesellschaften nieder, durch diese wieder die Bahnen, die sie sich
gleichzeitig durch mörderische Tarifkriege zerfleischen liess.
Man könnte Rockefeller jetzt auch den »Eisenbahnkönig« Ame
rikas nennen; denn er soll 150 000 Meilenlängen kontrollieren,
d. i. ca. '^/ 3 des gesamten Schienennetzes der Vereinigten Staaten!
Wie bereits kurz erwähnt, wurde das Oel in den ersten Jahren
in Holzfässern befördert, von den Quellen durch Fuhrwerke nach