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den Eisenbahnstationen, von dort mit der Bahn nach den Raf
finerien, die meist an einem Seeufer oder an der Küste lagen
(Cleveland, New York).
Da kam ein unternehmender Kopf auf den Gedanken, das
Rohöl einfach in mehrzölligen Röhrenleitungen (pipe lines) unter
vollständiger Ausschaltung der andern beiden Transportmittel von
den Gruben direkt nach den Raffinerien zu pumpen. Nach vielen
Schwierigkeiten führte er seinen Plan aus. Der Erfolg war so
glänzend, dass über die alte Art der Beförderung der Stab ge
brochen war, und der ganze Oeldistrikt war bald mit unzähligen,
meist aber planlos angelegten pipe lines überzogen. Denn jede
Raffinerie wollte ihre eigene Leitung haben, um »unabhängig«
zu sein.
Diese pipe lines, die oft eine Länge von 500, ja 700 km
hatten, beförderten das Oel natürlich erheblich billiger, als es
bei Bahnversandt möglich war. Sie stellten also eine grosse Ge
fahr für die Standard Oil Co. (St. O. C.), Rockefellers Gründung
und die mit ihr verbündeten Bahnen dar. Es musste zum Kampf,
kommen; die St. O. C. zögerte nicht, ihn aufzunehmen. Unter
der Hand verschaffte sie sich die Kontrolle über die United pipe
line, schloss sie 1874 neue Verträge mit den drei beteiligten,
ihr unterworfenen Bahnen, und in einem unerhörten Tarifkriege
und gedeckt durch beispiellose Refaktien brachte sie innerhalb
Jahresfrist das ganze Rohrleitungsgeschäft in ihre Hand und
schaffte sich dadurch eine festere Stellung als je zuvor.
Soweit gekommen, hielt sie unter den pipe lines zunächst
fürchterliche Musterung, räumte unter dem Chaos gehörig auf und
verschmolz die vielen kleinen Einzelleitungen zu einigen wenigen
grossartigen Systemen. Jetzt ist sie imstande, ihren gesamten
Oeltransport durch sie zu bewerkstelligen. Die Kosten sollen
sich auf nur 5—7 Cents per Fass belaufen.
Auch der überseeische Transport erhielt durch die St. O. C.
eine neue Grundlage. Während das Oel früher auf Seglern in
Fässern nach Europa geschafft wurde, begann man Anfang der
80 er Jahre nach dem Vorgehen Nobels in Russland (erster Tank
dampfer 1879) mit dem Bau von Seetankdampfern, die das Oel
lose aufnahmen und über das Meer brachten. Die Minderkosten
gegen die frühere Art der Beförderung stellen sich nach Brackel-
Leis (S. 350) auf Mk. 3.11 per 100 kg. Die Differenz ist aber
wohl wesentlich grösser, da die St. O. C. mit vollständig amorti