Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Staaten.  Eine  solche  Durchschnittsziffer  hat  zwar  nur  einen  sehr
problematischen  Wert,  und  es  lässt  sich  überhaupt  bezweifeln,
dass  die  Zahlen  richtig  sind.  Immerhin  ist  ein  grosser  Unterschied ­
  in  den  Förderkosten  zweifelsohne  vorhanden.  Dieser  wird
aber  so  ziemlich  aufgehoben  durch  die  schlechtere  Qualität  des
russischen  Erdöls  und  durch  die  jämmerlichen  Aufspeicherungsmittel ­
  und  Fabrikations-,  teilweise  auch  Absatzverhältnisse.  In
Amerika  sahen  wir  eine  hochentwickelte,  leistungsfähige  Raffinierindustrie, ­
  ein  ausgedehntes,  planvoll  angelegtes  Netz  von  Röhrenleitungen, ­
  die  das  Rohprodukt  möglichst  rasch  den  Fabriken  zur
Veredelung  zuführen  und  einen  relativ  sehr  schnellen  Kapitalumschlag ­
  bewirken.  In  Baku  wird  die  Hälfte  der  ganzen  Produktion
monatelang  in  offenen  Erdtanks  aufgespeichert,  während  ein  Umschlag ­
  der  Rohstoffzufuhr  in  2—3  Wochen  normal  wäre!  Schuld
daran  sind  wohl  zumeist  die  schlechten  Absatzeinrichtungen  und
die  beschränkte  Durchlassfähigkeit  der  transkaukasischen  Bahn.
Ueber  die  Zahl  und  die  Aufnahmefähigkeit  der  Reservoire  gibt
Wolff  (S.  22)  nach  russischen  Quellen  folgende  Tabelle:
Eisentanks  :  1758  Stück  6372  Mill.  Pud  Kapazität
Steintanks:  76  offene,  48  gedeckte,  35 1  *  * / 4  »  »  »
Erdreservoire  70  »  25  »  133*74  »  »  »
Raffiniertes  Oel  wird  nur  in  Eisentanks  aufbewahrt,  Rohöl
in  meist  offenen  Erdreservoiren,  wo  es  unter  dem  Einfluss  der
Witterung  erheblich  einbüsst 1 ).
Eine  Eigentümlichkeit  der  russischen  Petroleumindustrie  ist*
dass  sie  im  Gegensatz  zu  der  der  anderen  Länder  (ausgenommen
Deutschland)  sich  nicht  so  sehr  auf  die  Erzeugung  von  Leuchtölen ­
  als  auf  die  Fabrikation  und  Verwertung  von  Rückständen
—  »Masut«  —  legt.  Im  Jahre  1904  wurden  302,5  Millionen  Pud
Masut,  aber  nur  153,5  Millionen  Pud  Leuchtöl  hergestellt.
Am  1.  Januar  1904  betrugen  die  Vorräte  in  Baku  an
Rohöl  39  144609  Pud  =  6411  887  dz.
Leuchtöl  23135286  »  —  3789560  »
Schmieröl  346  995  »  —  56  691  »
Rückstände  57186336  »  =  9367123  »
Der  Vorrat  an  Residuen  machte  also  das  ca.  z'^fache  desjenigen ­
  an  Leuchtöl  aus.

1)  Zu  bemerken  ist  hier,  dass  ‘/s  der  Reservoire  in  den  Händen  der  sechs
grössten  Firmen  ist,  die  sich  dadurch  also  eine  Art  Monopol  —  ein  allerdings  beschränktes ­
  Fabrikationsmonopol  —  geschaffen  haben.  Ich  komme  hierauf  noch  zurück.
            
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