Full text: Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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Menge subtiler und subtilster Bewertungsgründe mit. So entstehen 
manchmal ausserordentlich hohe Preisunterschiede. 
Beim Petroleum nichts dergleichen. Man kauft einfach »Petro 
leum« und kümmert sich wenig darum, woher es kommt, wenn es 
nur brennt und vor allem billig ist. Ob es weiss aussieht, wie 
das russische oder schön blau fluoresziert wie das amerikanische, 
ist dem Verbraucher einerlei. Oft wird das amerikanische Oel im 
Kleinhandel nur deshalb bevorzugt, weil es »amerikanischen« Ur 
sprungs, also etwas P'eines, Besonderes ist! Gerade dieser Um 
stand hat dem Import amerikanischer Leuchtöle ungeheuer genützt. 
Diese Indifferenz des Konsumenten blieb nicht ohne Einfluss 
auf den Pländler. Was die Grosshändler anlangt, so waren sie 
meist durch langfristige Verträge der Gesellschaft, von der sie 
bezogen, verpflichtet und genossen dafür längeres Ziel und Vor 
zugspreise. Andererseits hatten sie dann wieder die Detaillisten 
durch mannigfache Geschäftsverbindungen, oft auch durch Vor 
schüsse, Hypotheken etc. fest an der Hand. Da obendrein die 
Qualität der gelieferten Ware, besonders seit der Annahme des 
fire-test-Punktes, ziemlich gleich blieb und Preistreibereien zu den 
Ausnahmen gehörten, so gewöhnten sich die kleineren Händler, 
stets nur bei einem Grossisten zu kaufen und im Herbst friedlich 
den Winterbedarf abzuschliessen, um für die Hauptbedarfszeit einen 
festen Preis zu haben. Im Sommer, wo die Preise herabzugehen 
pflegten, kaufte man dann wieder loko. 
Ein zweiter Umstand, der dem Petroleumhandel seine eigen 
tümliche Signatur auf drückt, ist die wegen der Feuergefährlichkeit 
umständliche und wegen der bituminösen Bestandteile wenig rein 
liche Lagerung und Behandlung des Artikels. Besonders erst 
genannter Umstand fällt sehr ins Gewicht und hat veranlasst, dass 
Aufbewahrung und Handel mit Petroleum mannigfachen scharfen, 
oft zu scharfen feuer- und gesundheitspolizeilichen Bestimmungen 
unterliegen, mehr als irgend ein anderer Konsumartikel. Ganz 
natürlich, denn jede Regierung hat die Pflicht, ihre Untertanen 
vor Schaden möglichst zu bewahren. 
Nicht zum mindesten sind es diese gesetzlichen Vorschriften, 
die den jetzt im Aussterben begriffenen Gross- und Zwischenhandel 
seinerzeit grossgemacht haben. Andere Waren, selbst wenn sie 
leicht Feuer fangen können, wie Tabak, Getreide, Baumwolle, 
Kohle können überall in beliebigen Quantitäten ohne besondere 
Sicherungsmassregeln gelagert werden, Petroleum dagegen nicht.
	        
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