Kapitel I. Die Optimisten.
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Man kann sich über die Offenherzigkeit, mit der Bastiat seinen
Triumph bekannt gibt, lustig machen, denn'er sieht nicht, daß die
Weite seiner Formel nur deshalb gestattet, alles, was man will,
hineinzulegen, weil sie ein leerer Rahmen, ein für alle Schlösser
passender Universalschlüssel ist. * * Sie läuft darauf hinaus, daß der
Wert von irgendeinem Umstande abhängt, der einen Gegenstand
wünschenswert machen kann 1 ), so daß wir nach dieser Erklärung
nicht klüger sind als vorher. Bei näherer Untersuchung hat diese
Definition nicht einmal die apologetische Tragweite, die Bastiat
offenbar blendete. Sie kann in keiner Weise zu einer RechtfV ^igung
des Wertes und mit ihm des Eigentums dienen; höchstens gelingt
ihr dies auf Grund einer vieldeutigen Formel! Denn das Wort
Dienste läßt glauben, und deshalb hat er es gewählt, daß jeder
Wert eine Wohltat für den bedeutet, der ihn empfängt, und ein
Verdienst für den, der ihn gibt. Es ist aber sehr leicht möglich,
daß dies nicht’"ier Fall ist. Der Eigentümer eines Hauses oder
eines Grundstückes in der City von London, der das eine zu einem
fabelhaften Preise vermietet oder das andere ebenso yerkauft, oder
der Kapitalist, der einem bedrängten Geldbedürftigen Geld zu einem
Wucherzinse leiht, oder sogar der Politiker, der sich für irgendeine
wertvolle Konzession ein enormes Bestechungsgeld zahlen läßt, sie
alle leisten zweifelsohne große Dienste, — der Beweis hierfür liegt
schon darin, daß sie darum angegangen, gebeten und bestürmt
worden sind — und daher würde der hohe Mietspreis, die hohen
Zinsen oder die große Provision unter die Formel Bastiat’s fallen.
Wir haben aber soeben gesehen, daß sie vom wirtschaftlichen Ge
sichtspunkt aus nichts erklären kann; und ebensowenig kann sie
vom allgemeingültigen moralischen Standpunkte, auf den sich doch
verdient, oder schärfer ausgedrüekt, daß das geliehene Kapital produktiv ist (der
Hobel gestattet mehr Bretter herznstellen), und daß es infolgedessen nur gerecht ist,
wenn der Besitzer des Hobels seinen Teil davon erhält. Proudhon antwortet, daß er
keineswegs die Berechtigung des Zinses in der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung
bestreite, aber behaupte, daß dieser Zins nur eine historische Kategorie sei (um eine
spätere Pormel anzuwenden), und daß es leicht wäre, ihn in einer neuen Wirtschafts- /
Ordnung als überflüssig abzuschaffen. Als Mittel, diese neue Wirtschaftsordnung zu
verwirklichen, weist er auf seine banque d’echange hin (siehe oben). Aber da die
beiden Duellanten niemals dazu kamen, sich mit dein Speer in der Hand gegenüber
zutreten und im leeren fochten, so ist diese Diskussion äußerst ermüdend und macht
weder dem Einen noch dem Anderen große Ehre.
*) „Eine Menge Umstände können die relative Bedeutung eines Dienstes erhöhen.
Er erscheint uns mehr oder weniger groß, je nachdem er uns mehr oder weniger
nützlich ist, je nachdem mehr oder weniger Personen bereit sind, ihn uns zu leisten;
je nachdem er von ihnen mehr oder weniger Arbeit, Mühe, Geschicklichkeit, Zeit,
vorausgehendes Studium erfordert; je nachdem er uns selbst mehr oder weniger davon
erspart“ (ebenda, Kap. V, S. 146).