Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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veränderten  Marktlage  aber  haben  beide  Gesellschaften  ihre  Preise
seitdem  wieder  erhöht,  und  zwar  durchaus  gleichmässig.
Mit  der  Einrichtung  des  Tankbetriebes  begann  die  P.  P.  A.-G.
im  Sommer  1904  zuerst  in  Bayern.  Ihr  Verhalten  ist  etwas  eigentümlich ­
  zu  nennen.  Denn  während  sie  sich  in  Nord-  und  Mitteldeutschland ­
  als  den  Rettungsengel  hinstellte,  der  die  vom  Strassenwagenbetriebe
  der  D.-A.  P.-G.  um  ihren  Absatz  gebrachten
Grossisten  schützend  in  seine  Arme  nahm,  begann  sie  dasselbe
Spiel,  das  sie  bei  ihrer  Konkurrentin  so  verdammte,  in  Süddeutschland ­
  zuerst!  C’est  la  guerre!  Auch  dies  ist  ein  Beweis
dafür,  dass  für  den  Zwischenhandel  kein  Kraut  gewachsen  ist,
dass  er  sich  überlebt  hat  und  mitleidslos  zerrieben  wird  im  Zusammenprall ­
  der  Mächtigeren.  Von  Bayern  aus  griff  die  P.  P.-A.-G.
  dann  nach  Mitteldeutschland,  besonders  nach  Thüringen
und  Sachsen,  über  und  führt  jetzt  überall  einen  erbitterten  Kampf
gegen  die  D.-A.  P.-G.
Bemerkenswert  ist,  dass  die  P.  P.  A.-G.  und  die  Russen  Mitte
1906  zu  einer  Verständigung  gelangt  sind.  Sie  scheint  in  der
Hauptsache  dem  Wunsche  entsprungen  zu  sein,  die  Vertriebsunkosten ­
  zu  verringern.  Diese  bleiben  im  grossen  und  ganzen
dieselben,  einerlei,  ob  der  Absatz  hoch  oder  niedrig  ist.  Da  aber
die  Tankbetriebsstellen  beider  Gesellschaften  in  der  überwiegenden
Mehrzahl  einen  nur  geringen  Absatz  hatten,  die  Unkosten  für
jedes  zur  Ablieferung  kommende  Liter  also  unverhältnismässig
hoch  waren,  suchte  man  hier  Abhilfe  zu  schaffen,  indem  man
den  Vertrieb  in  die  Hände  eines  Vertreters  legte  und  den
Vertrag  mit  den  andern  kündigte.
Ob  noch  weitergehende  Abmachungen  zwischen  den  beiden
Gesellschaften  existieren,  ist  mir  nicht  bekannt.  Einstweilen  wird
man  dem  Vertrag  für  Deutschland  eine  grössere  Wichtigkeit  wohl
nicht  zusprechen  können,  umso  weniger,  da  in  dem  P  r  e  i  s  v  erhält ­
  nis  schwerlich  eine  Aenderung  getroffen  werden  kann.
Beide  Gesellschaften  müssen  die  D.-A.  P.-G.  wegen  der  geringeren
Qualität  der  von  ihnen  vertriebenen  Oele  unterbieten  (meist  1 / 2  Pfg.
pro  Liter),  müssen  aber  unter  sich,  wie  bisher,  gleichpreisig  sein 1 ).
1)  Zu  bemerken  ist  hier  jedoch,  dass  die  P.P.  A.-G.  seit  Mitte  1906  ihr  texanisches
  Oel  nicht  mehr  mit  pennsylvanischem  mischt,  sondern  (wenigstens  ist  mir
dies  für  Mitteldeutschland  bekannt)  eine  Mischung  von  , /2  texanischem  und  */s
rumänischem  Petroleum  in  den  Handel  bringt.  Wahrscheinlich  ist  dies  darauf  zurückzuführen, ­
  dass  es  jetzt  gelungen  ist,  das  rumänische  Rohöl  besser  zu  raffinieren.
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