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beiter, Ausdehnung des Rohrnetzes auch in weniger ertragsfähige Ge
biete u. a. m. wesentlich geändert worden. Der Beamtenstab der kom
munalen Betriebswerke wie der Gaswerke im besonderen ist heute
sehr allgemein ein durchaus hochwertiger zu nennen, und es widerspricht
der besseren Einsicht, daß die Leiter wie die nachgeordneten Beamten
kommunaler Werke weder bezüglich ihrer wissenschaftlichen und prak
tischen Befähigung noch in ihrer geschäftlichen Initiative hinter den
Leitern und Beamten privater Unternehmungen zurückstehen. Eines
aber muß anerkannt werden, und darauf stützt sich auch großenteils
die Meinung der großen Mehrheit, daß die Leiter kommunaler Werke
einerseits nicht die Freiheit des Handelns in geschäftlichen Angelegen
heiten und anderseits nicht den privatwirtschaftlichen Anreiz für ihre
persönlichen Leistungen besitzen, welche beide die Leiter privater
Unternehmungen die bestmöglichen, wirtschaftlichen Ergebnisse der
Unternehmungen erzielen lassen. Hiergegen ist zunächst festzustellen,
daß es grundsätzlich keinen unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnet,
dem anerkannt tüchtigen Leiter kommunaler Betriebswerke auch im
Rahmen kommunaler Verwaltungen die Stellung zu geben, die ihn
persönlich und finanziell befriedigt und die ihm vor allem in geschäft
licher Beziehung eine ganz ähnliche Bewegungsfreiheit gibt, wie sie der
Direktor bzw. Vorstand privater Unternehmungen gegenüber dem Auf
sichtsrat bei Aktiengesellschaften besitzt. Es kann nicht die Aufgabe
sein, hier auf diesbezügliche Erwägungen näher einzugehen, und es
soll daher auf die Ausführungen des Verfassers im „Handbuch der
Gastechnik“ 1 ) sowie insbesondere auf die vorzügliche Schrift von
Wippennann 2 ) über die Zukunft der kommunalen Betriebe verwiesen
Werden.
2. Der systematische Gasvertrieb.
Sind die Grundlagen für eine allgemeine Energieversorgung mit
Gas wesentlich durch eine gemäßigte Wirtschaftspolitik
rnit Bezug auf die Renten der Gaswerke sowie durch eine weit
gehende öffentliche Verwaltung der Gaswerke gegeben, so
niuß auf dieser Grundlage der „systematischeGasvertrieb“
durch die Gaswerke alle die zahlreichen und vielgestaltigen Wege ebnen,
die zu der im volkswirtschaftlichen und kulturellen Interesse liegenden
a llgemeinen Verwendung des Gases und damit im berechtigten, wirt-
*) Handbuch der Gastechnik, herausgegeben v. Dr. E. Schilling u. Dr. H. Bunte,
Verlag R. Oldenbourg, München 1914.
2 ) Wippermann, »Die Zukunft der kommunalen Betriebe«, Berlin 1912.