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Industrie und Landwirtschaft.
Gerade aus dem Gang der Revolution wird sich die Notwendigkeit
ergeben, diesen Gedanken bis ip seine letzten
Konsequenzen durchzuführen. Eine solche Konsequenz wird
zwar noch nicht die Aufhebung des Gegensatzes zwischen
Stadt und Land, aber doch ihr Ausgleich, der Ausgleich zwischen
Industriearbeit und landwirtschaftlicher Arbeit sein.
Wir kennen die schweren Folgen einseitiger Industriearbeit
für die körperliche, einseitiger Arbeit im Dorfe für die geistige
Gesundheit. Der Industriearbeiter muß die Möglichkeit
haben, sich am frischsprudelnden* Lebensquell der Natur zu
erholen. Der Landarbeiter muß heraus aus seiner ärmlichen,
geistesöden Einsamkeit, hinein in das Leben der Gesellschaft,
mit ihren frisch-fröhlichen Kämpfen.
Aehnliche Maßregeln wie eine solche Auswechselung der
Arbeiter zwischen Indusrtie. und Landwirtschaft werden in
Zukunft unbedingt versucht werden müssen. Die Landwirtschaft,
die ausgesprochener Saisonbetrieb ist, hat sich in
Deutschland bisher der Arbeitskräfte aus dem Osten, der sogenannten
Sachsengänger, bedient. Es gelang ihr damit, billige
Arbeitskräfte zu erhalten und damit die Löhne der heimischen
landwirtschaftlichen Arbeiter auf erbärmlicher Höhe
zu halten. Damit verbunden war auch der heutige technische
Tiefstand der landwirtschaftlichen Produktion, weil man den
Sachsengängern keine wertvollen Maschinen in die Hand geben
konnte. Gerade die Industriearbeiter scheinen berufen
zu sein, eine technische Revolution in der Landwirtschaft zu
vollziehen. Es ist wahrscheinlich, daß die Revolution auch im
Osten, in Polen etc., derartige soziale Umwälzungen mit sich
bringt, daß der nach dem Westen fließende Menschenstrom
versiegt. Mit der Erhöhung der Lebenshaltung der Arbeiter
wird die Produktion von Lebensmitteln in Zukunft eine höhere
Bedeutung als gegenwärtig erlangen. Die landwirtschaftliche
Produktion muß also mit allen Mitteln gefördert werden, dafür
sind unbedingt die nötigen Arbeitskräfte zur Verfügung
zu stellen.
Außerdem zwingt die Sicherung der Revolution zu tiefgreifenden
Maßregeln, ln dieser Hinsicht liegen in Deutschland
die Verhältnisse viel ungünstiger als in Rußland. Rußland
hatte die ungezählten Millionen armer Bauern, die zwar
nicht formell, aber doch tatsächlich unter der Leibeigenschaft
seufzten, die auf das schamloseste vom Großgrundbesitz und
vom Staate ausgeplündert wurden und neben dem periodischen
Hunger nach Brot von ungestilltem Landhunger ergriffen
waren. Sie waren der aktive Träger der Revolution