Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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Erstens,  politische  Freundschaft  oder  gar  sofort  fester  Vertrag  und  zweitens, ­
  Bestellungen  bei  der  französischen  Industrie.  Diese  Verbindung
von  Weltpolitik  mit  Geschäft  ist  auch  bei  den  anderen  führenden  Staaten
—  England  und  Deutschland  —  zu  beobachten.  Aber  kein  anderes  Land
als  gerade  Frankreich  verfolgte  in  einer  so  äußerst  rücksichtslosen  Einseitigkeit ­
  das  rein  politische  Moment.  Dieses  Streben,  namentlich
Rußland  und  den  Balkan  unter  seinen  politischen  und  militärischen
Einfluß  zu  stellen,  brachte  den  französischen  Financiers  bald  die  Prägung ­
  des  berühmten  und  jetzt  berüchtigten  Wortes:  „politique
f  inane  iere"  ein.  Auf  die  mannigfachen  Variationen  in  der  Anleihe-Unterbringung
  nach  banktechnischen  Gesichtspunkten  hin  kann  hier
nicht  eingegangen  werden.  Es  möge  genügen,  darauf  hinzuweisen,  daß
jede  der  angewandten,  Methoden  den  Banken  reichliche  Gewinne  einbrachte, ­
  und  daß  auch  die  Tagespresse  als  unentbehrliches  Instrument
aus  diesen  Transaktionen  nicht  unerhebliche  Gewinne  zog.  Nach  all
den  hohen  Abzügen  wurden  dann  die  Anleihen  unter  die  kleinen  Rentner
gebracht,  die  oftmals  aus  Unkenntnis  oder  schrankenlosem  Vertrauen
nicht  nach  Güte  und  Sicherheit  fragten,  sondern  willig  zeichneten,  da
diese  Werte  ihnen  eine  4—5  %  Verzinsung  versprachen.  Auf  diese
Weise  wurden  viele  Milliarden  Franken  im  Auslande  investiert,  wie  die
aufgestellten  Berechnungen  es  näher  anzeigen.  Die  russischen  Werte
allein,  deren  Zeichnung  als  patriotische  Tat  hingestellt  wurde,  haben
eine  Höhe  von  etwa  20  Milliarden  Frcs.  erreicht.
Dieses  dargelegte  System  des  Austausches  politischer  Bündnisse
gegen  Gold,  von  Armeen  gegen  Anleihen,  wirkt  bei  Ausbruch  des  Krieges
schwer  belastend  und  schädigend  auf  das  Land  zurück.  Die  ungesunde
Festlegung  so  hoher  Summen  französischen  Kapitals  im  Auslande  führte
in  der  kritischen  Zeit  dazu,  daß  die  Depositenbanken  die  Guthaben
ihrer  Kunden  sperren,  ihre  Schalter  am  Anfang  der  Kriegskrisis  schließen
mußten.  Denn  in  ihren  Kellern  ruhen  hunderte  von  Millionen  unverkäuflicher ­
  und  jetzt  zum  Teil  wertloser  Effekten.  Das  Urteil  in  der  Schuldfrage ­
  wird  aber  wohl  kaum  ausschließlich  über  die  Führer  dieser  Bewegung ­
  —  der  finanziellen  Oligarchie  —  gesprochen  werden  dürfen,
wie  es  oft  mit  Unrecht  geschehen  ist 1 ).
Selbst  in  Frankreich  werden  die  Banken  nicht  in  Schutz  genommen.
Sie  etwa  als  unschuldig  hinzustellen,  liegt  allen  fern,  und  einige  Schriftsteller ­
  scheuen  sich  sogar  nicht,  die  Ursachen  dieser  unheilvollen  Auslands-Investitionssucht
  allein  in  gewinnsüchtigen  Zielen  der  Bankwelt
zu  suchen.  Lachapelle  z.  B.  sagt  hierüber  in  seinen  Betrachtungen ­
  über  den  französischen  Wertpapierbesitz  das  Folgende:  i)
i)  Uebelhör  unterzieht  die  Politik  und  praktische  Arbeit  dieser  finanziellen’  Oligarchie ­
  einer  überaus  erfreulichen,  objektiven  Betrachtung  und  gelangt  zu  dem  Ergebnis,
daß  der  stolze  Monumentalbau  der  finanziellen  Oligarchie,  „der  in  Generationen  voll  der
fleißigsten  Arbeit  geschaffen  war“  (S.  38)  nicht  aus  gewinn-  oder  rachsüchtigen  Motiven
heraus  errichtet  wurde,  vielmehr  Nation  und  Regierung,  Industrie  und  Handel  zu  der  gezeichneten ­
  Richtung  drängten.  Vgl.  66.  Heft  der  politischen  Flugschrift  von  Ernst
Jäckh,  „Der  deutsche  Krieg“.
            
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