Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

32 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle. 
legte. Tief beklagen muß man, daß es diesem in» rüstigsten Alter aus dem Leben 
geschiedenen Manne nicht mehr vergönnt war zu sehen, wie seine geniale Erfindung, 
die anfangs hauptsächlich bestimmt war, dem Kleinbetrieb zu dienen, heute als Motor 
mit 1000 Pferdekräften in der großen Äochofenindustrie eine täglich steigende Be 
deutung erlangt. In der Gasmotorenindustrie hatte er am eigenen Leibe höchst 
schmerzlich die Mängel des deutschen Patentgesetzes erfahren. Dadurch wurde er ver 
anlaßt, mit rastlosem Eifer und mit Erfolg für die Besserung dieser Gesetzgebung ein 
zutreten. Als das Mannesmannverfahren eine vollständige Amwälzung der Metall 
röhrenindustrie herbeizuführen schien, griff er auch auf diesem Gebiete kräftig mit Kapital 
und Arbeit ein und gründete in Gemeinschaft mit Werner v. Siemens und 
Wilhelm Siemens die großen Werke in Komotau. Langens letzte Erfindung, die 
Schwebebahn, ist in Elberfeld-Barmen praktisch zur Ausführung gelangt. Die glückliche 
Verbindung hervorragender Leistungen als Ingenieur, Industrieller und Kaufmann 
machten ihn sehr gesucht als Mitglied großer Verwaltungen; manche derselben hat 
sein Talent und seine Energie nach den unglücklichen siebziger Jahren vor dem Anker- 
gange bewahrt. Die in jenen für die Industrie sehr trüben Zeiten gemachten Be 
obachtungen und Erfahrungen hatten Langen zu einem entschiedenen Vertreter des 
Schutzzollprinzips gemacht. In der damals durchaus freihändlerischen Handelskammer 
Köln stand er langezeit als Industrieller mit seinen Ansichten allein. Am ihr ein 
Gegengewicht zu bieten, gründete er den „Verein der Industriellen im Regierungs 
bezirk Köln", den er sofort dem Zentralverbande als Mitglied zuführte. Durch seinen 
Eintritt in das Direktorium wurden die Beziehungen des Zentralverbandes zu sehr 
bedeutenden industriellen Kreisen fester geknüpft. Seine Bemühungen haben wesentlich 
dazu beigetragen, daß sich der große Verein für die Rübenzuckerindustrie des Deutschen 
Reiches dem Zentralverbande anschloß; dabei wurde Langen kräfüg von dem Vor 
sitzenden des Vereins, Geh. Regicrungsrat Koenig, unterstützt, der später auch in das 
Direktorium gewählt wurde. Leider bereitete der Tod auch Langens erfolgreichem 
Wirken im Zentralverbande ein frühzeitiges Ende.
	        
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