Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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Kunden nicht liquid genug angelegt hätten, zweitens die Regierang 
daher in Zukunft ihre Anlagen besser überwachen und bei der Zulassung 
von Werten zur Börse vorsichtiger werden müsse, und endlich die Bank 
bilanzen künftig eingehend geprüft würden. 
In dieser kurzen Zusammenfassung wird mit scharfen Zügen ein 
ebenso wichtiges wie schwieriges Arbeitsproblem für den kommenden 
Frieden von amtlicher Seite angekündigt. Hiernach dürfte also nach 
Beendigung des Krieges als erste Vorsichtsmaßregel, um neue Fehler zu ver 
meiden, eine staatlich geleitete Bankpolitik verfolgt werden, die einen Zwang 
auf die Depositenbanken ausübt, vor allem hinreichende Barbestände 
zu halten, nicht übertriebene Immobilisationen zu machen und ihren 
Liquiditätsgrad durch eine klare Bilanz besser zutage treten zu lassen. 
Unzweifelhaft würde viel erreicht, wenn die Banken die ihnen vom Finanz- 
minister vorgezeichneten neuen Richtungen einschlagen wollten. Schon 
sehr erfreulich wäre es aber, wenigstens frühzeitig von den Banken klare, 
ausführlicher als bisher spezialisierte Bilanzen zu erhalten. Die ersten 
Kreditbanken zeichnen sich durch verdunkelte Bilanzaufstellungen, 
ungenügende Postengliederangen geradezu aus. So führt z. B. 
der Credit Lyonnais in seinen Bilanzen 7 Posten auf der Aktivseite 
und 10 auf der Passivseite. Dagegen führen die Berliner Banken in ihren 
Bilanzaufstellungen bis zu 20 und mehr Reihen alLin auf einer Seite. 
Natürlich wehrte sich die Bankwelt sofort mit aller erschwinglichen 
Beredsamkeit gegen die vom Finanzminister angekündigten staatlichen 
Änderungsabsichten. Man verspricht sich von der staatlichen Auf 
sicht keinen Nutzen, aber desto mehr Schaden. Denn die Beschränkung 
der ökonomischen, produktiven Kräfte wäre unausbleiblich, und damit 
die Entfaltung des Landes zu einer Zeit, in der es gilt, die schweren 
Wunden des Krieges zu heilen, in Frage gestellt: „Es ist das Regime 
der Freiheit, das die Möglichkeit gab, dem Handel die Erleichterungen 
im Diskont und Kredit zu verschaffen, ohne die er nicht mehr leben 
könnte" 1 ), führt der Comptoir National aus und will damit zum Aus 
druck bringen, daß die Bankwelt schematische, straffe Eingriffe niemals 
dulden würde. 
Wenn ein mit den französischen Geld- und Kreditverhältnissen 
so vertrauter Mann, wie es der Finanzminister doch sein muß, über die 
Banken ein derartiges Urteil spricht, hieraus die natürlichen Konsequen 
zen zieht und die angekündigten Reformen für notwendig hält, so wird 
man ihm Glauben schenken dürfen und auf seine Kraft, das aufgestellte 
Programm zu realisieren, sicherlich rechnen können. So werden wohl 
alle Widersprüche der französischen Bankleiter erfolglos bleiben. 
Dennoch wäre es ein Fehler und nicht zum geringsten eine Un 
gerechtigkeit, die vielseitigen Vorwürfe, Verwünschungen und Ver 
urteilungen, die man in der gezeichneten Richtung vielleicht nur ge 
wissen Instituten in ihrem vollen Umfang machen kann, auf das ge 
samte französische Bankwesen zu übertragen. Gibt doch der Finanz- 
!) Comp. Nat. Geschäftsbericht L’Economiste Franfais 1915, S. 574.
	        
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