Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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quoten heraus. Jetzt sind sie ausgeschlossen. Und die als Ersatz die
nenden inneren Anleihen, die französischen Staatsobligationen, bieten
keinen auch nur annähernden Ausgleich, da der prozentmäßige Sonder
vorteil sehr gering im Vergleich zu den alten, namentlich an russischen
Anleihe-Emissionen erzielten Differenzen ist. Neue, aus der Kriegslage
resultierende Quellen haben sich ihnen bisher nicht erschlossen. Es sei
denn, daß die Banken durch den Valutahandel die hier vorhandenen
hohen Spannungen gewinnbringend ausnützen.
Für das Endergebnis des Bruttogewinnes, das nach diesen Dar
legungen für die Gesamtheit der Banken in keiner Weise befriedigend
sein kann, tritt zur Feststellung und zum ziffernmäßigen Nachweis des
Reingewinns noch ein Moment erheblich beeinflussend hinzu. Das sind
die stillen und offenen Reservespeisungen zahlreicher Bilanzposten.
Durch beträchtlich hohe Rücklagen haben die führenden Banken sich
nicht gescheut, das Gewinnerträgnis zu verkleinern, nur um ihre finan
zielle Grundlage zu festigen. Im Hinblick auf ihre früheren fehlerhaften
und Verhängnisvollen Arbeiten, die heutige unsichere Lage und ihre un
gewisse zukünftige Gestaltung hielten sie es für angebracht, vorzusorgen,
selbständig und frühzeitig auf eine gesündere Basis zu gelangen, um
nach Möglichkeit dem am Ende des Jahres 1914 angekündigten
staatlichen Eingreifen jeden Anhaltspunkt zu nehmen. Soweit ihren
Bilanzaufstellungen und Berichten dies zu entnehmen ist, dürften sie
nicht auf dem Unrechten Wege sein. Nur kann heute weder über abso
lute Richtigkeit und Zweckmäßigkeit der Arbeitsmethoden, noch über
gesunde Fundierung ihrer Lage gesprochen werden, ebenso nicht vom
Gegenteil der beiden Dinge, da in diesen Fragen die Einwirkungen des
Krieges vollends abzuwarten sind, und erst ein gewisser Abstand von
ihnen nach Friedensschluß gewonnen werden muß, bevor das endgültige
Urteil gefällt werden kann.
Zur näheren Unterrichtung mögen noch die wichtigsten Posten aus
den Bilanzen der drei größten Depositenbanken wiedergr geben werden.
Namentlich der Credit Lyonnais und das Comptoir National bieten
durch ihre Monatsausweise eine gute Anschauung von der allmählichen
Entwicklung ihrer Lage auf der Passiv- und Aktivseite (s. S. 142 u. 143).
Die Kreditbanken nahmen an den Bestrebungen der Regierung, im
Auslande Kapitalien aufzunehmen, teil und haben auch Erfolge erzielt.
Bis zum heutigen Tage ist es aber schwer, hierüber genaue Angaben
zu erhalten und daher nicht möglich, festzustellen, wieviel Kapitalien
und zu welchen Bedingungen die Banken bei ihren ausländischen Ver
bindungen in Form der Krediteinräumung flüssig machen konnten, und
wo sie überall bereitwillige Darlehnsgeber fanden. Es soll trotzdem ein
Überblick gegeben werden, wobei vorausgeschickt sei, daß nach Möglich
keit nur die tatsächlichen Abschlüsse genannt werden unter Ausschal
tung provisorischer Meldungen, doppelter Bestätigungen aus verschiede
nen Quellen, die geprüft und bei Übereinstimmung nur einmal angeführt
wurden.