Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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Zur Aufmunterung erließ der Generalissimus J 0 f f r e einen Appell an
seine Soldaten, der überaus kennzeichnend ist und daher wörtlich
wiedergegeben werden möge:
„Soldaten!
Am 25. November legt Frankreich eine große Anleihe auf, um die
Mittel für die nationale Verteidigung herbeizuschaffen. Alle Appelle,
die es seit Beginn des Krieges herausgegeben hat, wurden erhört. Jeder
kennt den Reichtum Frankreichs, alle haben Vertrauen zu seiner Zu
kunft und zu dem günstigen Ausgang des Kampfes.
Alle diejenigen, die zeichnen werden, erfüllen die Pflicht eines guten
Franzosen. Sie finden hierbei auch ihre Vorteile.
Jeder, der 87,25 Frcs. zahlt, empfängt einen Titel mit 5 % Rente.
Dies ist also eine effektive Anlage von 5,75 % in französischer Rente.
Ihr habt zweifellos gehört, wie Eure Eltern sich der schrecklichen
Stunden von 1870 erinnern. Nach diesem Kriege war es eine Anleihe
zur Befreiung des heimischen Bodens. Diesesmal wird es — wie der
Finanzminister sagt — dank Eurer Kraft: die Siegesanleihe.
Denket an alle diese Dinge, schreibet sie an die Eltern und Freunde,
die Ihr hinter Euch im heimatlichen Lande gelassen habt. Saget ihnen,
daß Anleihe zeichnen, Frankreich dienen, für Frankreich mit uns kämpfen
heißt, Euch die wirksamste Hilfe, die man Euch zu gegenwärtiger
Stunde bringen kann, und zu gleicher Zeit Eure Zukunft und mit Eurer
auch die Eurer Kinder sichern heißt." 1 )
Auch auf das befreundete und verbündete Ausland wurde mit
allen Mitteln eingewirkt. So sollten die Neutralen — Holländer und
Schweizer im besonderen — auch Amerika — wenigstens einen kleinen
Teil der reichen Gewinne, die sie aus dem Zwischenhandel während des
Krieges mühelos gezogen haben, in der neuen 5 % Anleihe anlegen.
Für sie bedeutet die hohe effektive Verzinsung die denkbar günstigste
Kapitalsanlage, die infolge des Disagios der französischen Valuta noch
gesteigert ist.
In der Zeit vom 25. November bis zum 15. Dezember lag die öffent
liche Zeichnung auf. Es ist jedoch nicht mit Sicherheit festzustellen,
wann die Anleihezeichnung tatsächlich geschlossen wurde. Der offizielle
Termin war der 15. Dezember 1915. Die Notenbank nahm aber, wie
bereits ausgeführt, noch weit über diesen Zeitpunkt hinaus Zeichnungen
in jeder Höhe an. Von wesentlicher Bedeutung ist hier aber der Er
folg der ersten Anleiheemission. Einen endgültigen Bericht, der als
Grundlage und Rechtfertigung für die von ihm neu geforderten Kre
dite für die Zinsleistungen und Lasten der bisher emittierten Anleihen
dienen sollte, erstattete hierüber der Finanzminister * 2 ) in der Deputierten-
Kammer am 13. Januar 1916.
t) L’Economiste Franfais, 4. Dezember 1915, No. 49, S. 739.
2 ) Die „Frankfurter Zeitung“ vom 21. Februar 1916 nennt das Dokument, das die
Rede des Finanzministers enthält: „ein Meisterstück der Verschleierungskunst“.