Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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Für diese Anleihe ist der Zeitpunkt ihrer Emission glücklicher, 
als er Ende 1915 für die erste war. Denn die militärischen Erfolge an 
der Somme und Ancre werden für Propagandazwecke mit der ihnen 
eigenen Form kräftig ausgenützt werden. Welchen Erfolg aber die An 
leihe schließlich erzielen wird, ist unberechenbar. Die Pflicht zur Zeich 
nung wird in geschickter Weise mit dem hohen Nutzen verbunden, so 
daß ein günstiges Ergebnis nicht unerwartet sein kann. Im wesent 
lichen versprechen sich viele Kreise eine lebhaftere Beteiligung aller durch 
den Krieg hochgekommenen Elemente, jener „les nouveaux riches", die 
ihre Riesengewinne aus Kriegslieferungen und ähnlichen ergiebigen 
Geschäften im reichlichen Umfange in der 5 % Rente anzulegen haben. 
Oftmals und eindringlichst wird auch auf die Neutralen hingewiesen 
und von ihnen eine große Beteiligung erwartet. Sie genießen doch neben 
den Vorteilen, die der Anleihe anhaften, außerdem ein Plus in der Valuta 
differenz. Wie weit auch diese Hoffnungen sich in die Wirklichkeit 
umsetzen werden, muß die Zukunft bald lehren. 
Ara 9. November verkündete der Finanzminister in der Depu- 
tiertenkammer das Ergebnis der Zeichnungen auf die zweite Kriegs 
anleihe: 11360 Mül. Frcs. Über die näheren Einzelheiten, insbeson 
dere von der Beteiligung der Barzeichnungen und Konversionen, kann 
wegen des bis jetzt noch nicht vorliegenden ausführlichen, authen 
tischen Materials der obigen Angabe keine Betrachtung gewidmet 
werden, wie es auch erst in späteren Tagen möglich sein wird, die zweite 
Kriegsanleihe in das Gesamtbild der Kriegsfinanzienmg hineinzuweben. 
Noch sind alle-Kräfte auf ein Ziel eingestellt: Krieg bis zum end 
gültigen Siege. Um einen solchen Kampf gegen einen Gegner zu führen, 
der mit eiserner Konsequenz das gleiche Ziel unbeirrt verfolgt, ist die 
Aufrechterhaltung und Förderung der innenwirtschaftlichen Arbeit 
von höchster Bedeutung. Nur eine starke, gut geregelte Wirtschaft 
bildet die Vorbedingungen für den sicheren Fortgang des militärischen 
Kampfes. Durch kein Hindernis darf die Kriegführung in ihrer vollsten 
Intensität behindert, durch keine unzureichenden Zuflüsse von Ma 
terialien, Lebensmitteln und Kriegsgütern unmöglich gemacht werden. 
Dieser Gesichtspunkt ist bei dem Bestreben, die kriegswirtschaftliche 
Arbeit von Bank- und Finanzkreisen in ihrer Gesamtheit zu verstehen 
und zu beurteilen, wohl zu beachten. Er trat in den ersten Monaten 
des Krieges nicht klar genug hervor, obwohl er gut erkannt war, da die 
äußeren Ereignisse mit zu wuchtiger Gewalt auf das Land und die Wirt 
schaft einstürmten. Durch die zahlreichen gesetzlichen Schutz- und 
Sicherungsmaßnahmen für die vom Kriege betroffenen und erschütterten 
einzelnen Schuldner und Gläubiger wurden auf der anderen Seite in 
der Gesamtwirtschaft Störungen hervorgerufen, die für die nationale Ar 
beit von schädlichster Wirkung sein mußten. Die Moratorien brachten 
den inneren Verkehr fast zum Stillstand, die Börse und Kreditinstitute 
zeigten in diesem Chaos nicht die ruhige Überlegung und Widerstands
	        
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