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Die Verdinglichung des „Geistes“ und der Erkenntnis. 217 
zugänglich sein, den die Erkenntnistheorie des Telesio erfordert? 
Allgemein lässt sich sagen, dass jede Auffassung, die von den 
Dingen als abgeschlossenen und fertigen Existenzen ausgeht, den 
reinen gedanklichen Beziehungen keine Stelle und Bedeutung mehr 
anzuweisen vermag: der Gedanke und der Geist selbst muss für 
sie zum Dinge, ja in letzter Instanz zum Körper werden. In 
späteren Lehren wird zumeist versucht, diese Konsequenz zu ver- 
hüllen und abzuschwächen: hier in diesen naiven Anfängen tritt 
sie uns in einem typischen Beispiel entgegen. 
So bleibt Telesio schliesslich von der neuen Denkart, in 
der die moderne Naturwissenschaft wurzelt, auch dort getrennt, 
wo er ihren Resultaten am nächsten kommt. Der Widerspruch, 
der in seiner Lehre zurückbleibt, lässt sich vom Standpunkt 
geschichtlicher Betrachtung mit einem Worte kennzeichnen: der 
Aristotelische Formbegriff, der in der Physik überwunden ist, 
hat in der Psychologie noch seine Herrschaft bewahrt. Hier 
lebt er in dem scholastischen Speziesbegriff, sowie in der Ge- 
samtanschauung nach, dass im Prozess des Erkennens die Dinge 
selbst, mit einem Teil ihrer Wesenheit, in den Geist eingehen 
und sich in ihn verwandeln. Diese Auffassung aber lässt sich 
von dem Boden der Aristotelischen Metaphysik, aus dem sie er- 
wachsen ist, nicht loslösen. (Vgl. ob. S 45 ff, 82 f.) Das substantielle 
„geistige“ Sein, das diese Metaphysik den Naturdingen beilegte, 
ist geschwunden: wird jetzt dennoch der Prozess der Erkenntnis 
unter dem überlieferten Gesichtspunkt gedeutet und beschrieben, 
so muss er sich notwendig in einen rein stofflichen Uebergang 
zwischen den Objekten und dem Bewusstsein wandeln. 
Auch bei den Nachfolgern Telesios wirken diese Probleme 
und Schwierigkeiten nach. Die Akademie von Cosenza, die er 
begründet, wird zum ersten, festen Mittelpunkt für die Sammlung 
und exakte Beschreibung physikalischer Einzeltatsachen; aber 
die Beobachtungsfülle, die sich damit erschliesst, bleibt zunächst 
noch ungesichtet und ohne sichere methodische Gestaltung. Bei 
Patrizzi, dessen „Neue Philosophie“ neben Telesios Hauptwerk 
der bedeutendste Versuch einer einheitlichen und selbständigen 
Naturerklärung ist, lenkt die Frage. nach dem Ursprung der 
Erkenntnis wiederum gänzlich in die Bahnen des Neuplato- 
nismus ein. Wenngleich der „Logos“ sich vom göttlichen Ur-
	        
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