153
Die Kosten der Betriebskraft.
Unter den Betriebskosten einer Kraftmaschine 1 )
hat man zu verstehen „die Summe aller Aufwendungen (mittelbare
und unmittelbare), welche zur Erzeugung der motorischen Nutz
leistung zu machen sind“ 2 ). Die Kosten können auf das Betriebs
jahr und die ganze Anlage, oder auf die Leistungseinheit und Stunde
bezogen werden. Um die Selbstkosten der Leistungseinheit (Pferde
stärke) für die Betriebsstunde bestimmen zu können, müssen vorerst
die Gesamtkosten für das Betriebsjahr, die mittlere Belastung der
Maschine und die jährliche Betriebsstundenzahl berechnet 3 4 ) werden.
Die Gesamtkosten setzen sich zusammen 1 ) aus:
I. Anschaffungskosten der Anlage (A n 1 a g e k ö s t e n).
II. Betriebskosten:
a) direkte Ausgaben.
a) Kosten der Kraft.
ß) Instandhaltung und Reparaturen der Anlage sowie Hilfs
material.
Y) Bedienung.
b) Besondere Ausgaben.
b) indirekte Kosten: Abschreibung und Verzinsung des
Anlagekapitals, Anteil an allgemeinen Betriebskosten (z. B.
Beleuchtung, Heizung, Anschlußgleise).
') Für Nichtfachleute einige Bemerkungen: Nach der Zweckbestimmung
unterscheidet man Kraft- und Arbeitsmaschinen, je nachdem durch die Maschine
eine Kraftäußerung oder eine Arbeitsleistung im engeren Sinne erzielt wird; die
letzteren werden unterschieden in ortsverändemde (transportierende) und form-
verändemde (transformierende). Die belebten oder Kraftmaschinen lassen sich
unterscheiden in Wasser-, Wind-, Wärme- und elektrische Kraftmaschinen. Die
zuletzt genannten sind die wichtigsten. Die Wärme-Kraftmaschine kann mit
indirekter Ausnutzung der erzeugten Wärme (Dampf- und Gasluftmaschinen) oder
mit direkter Ausnutzung der Arbeit (Gasmaschinen bei gasförmigen, Benzin-,
Petroleum- und Spiritnsmaschinen für flüssige Brennstoffe) arbeiten. Die elek
trischen Kraftmaschinen (Elektromotoren) können für Gleich-, Wechsel- oder
Drehstrom konstruiert sein. Die Elektromotoren (Stromverbraucher) wandeln die
elektrische Energie in mechanische um, benötigen also Maschinen, welche elek
trische Kraft erzeugen (Stromerzeuger, Dynamos). Bei den modernen Gaskraft
maschinen sind Wärmeerzeugung und -Verwertung örtlich und zeitlich vereint.
2 ) Lewicki, Die Wirtschaftlichkeit und Betriebssicherheit moderner Kraft
anlagen im Vergleich mit Sauggeneratoren, Gaskraftanlagen, 1904, S.20. Erhard t,
Über das wirtschaftliche Verhältnis von Gichtgasmotoren und Dampfmaschinen
im Verhüttungsgebiet der Minette. Stahl und Eisen, Nr. 11 von 1905.
3 ) Die Berechnung erfolgt für effektive PS. Das Verhältnis zwischen wirk
lichen (effektiven) PS., die von der Maschine als Kraft entnommen werden können,
und den indizierten PS. bezeichnet man als den Wirkungsgrad der Maschine.
Z. B. indiziert 85, effekt. 63 PS., Wirkungsgrad = 63 : 85 = 74 °/ 0 der im Zylinder
geleisteten Arbeit können wirklich entzogen werden.
4 ) Vgl. Marr, Kosten der Betriebskräfte. Berlin 1901.