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Erwin Respondek,
Es ist nur zu begreiflich, daß man Bedenken hegen mußte, den
effektiven Goldbestand der Notenbank für diese Zwecke anzugreifen.
Die verstärkte Notenemission könnte sonst leicht der klassischen Mindestdeckung
— 1 / s Gold der emittierten Noten — verlustig gehen. Die Bankleitung
erkannte dies deutlich und drängte auf Ersatzmittel. Sie dürfte
doch wohl zu dem Urteil gelangt sein, daß auch das Gold als Abwehroder
Heilmittel für die Währungsschwierigkeiten hier keinen vollen
und dauernden Erfolg bringen wird, weil es die Quellen des Übels nicht
zu erfassen vermag. Die Kriegführung erfordert unentwegt eine unbeschränkte
Zufuhr von Gütern, deren Gegenwert durch den Goldexport
auf die Dauer und in solchen Höhen nicht gegeben werden kann.
Und den Goldvorrat bloß als Deckmantel für einen augenblicklichen
Schutz herzugeben, sieht sie mit Recht keinen vernünftigen Grund ein.
Man blieb jedoch den währungspolitischen Schäden nicht untätig
und gleichgültig gegenüber, suchte vielmehr nach weiteren Mitteln,
sie nach Möglichkeit zu lindern. Auch die Regierung griff ein. Frankreich
besitzt nach Schätzungen der französischen Zeitungen gegen xooo
Mill. Frcs. amerikanische Eisenbahnaktien und -Obligationen, die an
der Börse kotiert werden. Diese Effekten werden nunmehr durch das
Schatzamt mobil gemacht. Die Regierung veranlaßt die Banken, ihre
Kundschaft durch ein besonderes Rundschreiben zum Verkauf der amerikanischen
Effekten zu bestimmen. Die Banken gaben daher auch
feste Angebote auf: 3% % Pennsylvania Obligationen, 4 % Chicago-Milwaukee,
5 % St. Louis, San Francisco, 4% New York — New Haven
Obligationen usw. zu bedeutend höheren Kursen als zu den Kursen
des Monats Juli 1914. Da es dem Schatzamte an baren Mitteln fehlt,
werden diese Regierungskäufe mit Schatzwechseln bezahlt. Die auf
diesem Wege erworbenen Titel werden in Amerika hinterlegt, und auf
ihrer Basis wird der Regierung von den amerikanischen Geldgebern
ein entsprechender Kredit eingeräumt. Dieser Weg stellt auf dem
Gebiete der Valutapolitik ein Novum dar, der aber zu einer entscheidenden
Aufbesserung der gesunkenen französischen Valuta nicht
geführt hat. Bei diesen Transaktionen haben auch einige Hindernisse
im Weg gelegen. Denn die in Frankreich aufgelegten ausländischen
Werte besitzen nur in Paris einen Markt. Hierüber führte der Finanzminister
R i b 01 in einer seiner Reden (Kammersitzung vom 8. Mai 1915)
das Folgende aus;
„Unsere Gesetzgebung war in dieser Beziehung nicht immer glücklich
inspiriert. Um alle auswärtigen Anleihen, die auf den französischen
Markt kamen, durch Steuern und Stempel zu erfassen, hat man die
in Paris eingeführten ausländischen Werte französiert; man hat ihnen
den internationalen Charakter genommen, damit sie dem Fiskus nicht
entgehen sollten.“
Von welchem Erfolge diese Bewegung in Frankreich begleitet war
und wie die Schwierigkeiten der Unverkäuflichkeit jener amerikanischen
Werte behoben wurden, ist nicht zu ermitteln gewesen. „Die Bank“