Full text : Die Heimarbeit im Kriege

128

große  Fabrikantenorganisation  der  Webwarenindustrie  für  die
Sache  zn  interessieren  und  mit  ihr  folgendes  Uebereinkommen  zu
treffen.  Die  Weber  wurden,  zunächst  in  Lengefeld  i.  E.  in  Genossenschaften ­
  zusammengeschlossen,  und  zwar  wurden  zunächst  etwa
20  Weber  versuchsweise  mit  mechanischen  Stühlen  ausgerüstet.
Sie  erhielten  sodann  von  der  Fabrikantenvereinigung  Aufträge  überwiesen. ­
  Diese  lieferte  auch  das  erforderliche  Rohmaterial  und
zahlte  für  die  Anfertigung  der  Waren  feststehende  Lohnsätze.  Wenn
die  Handweber  den  Nachweis  erbracht  hatten,  daß  sie  sich  für  den
mechanischen  Betrieb  eigneten  und  sich  in  diese  für  sie  neuartige  Produktionsweise ­
  eingearbeitet  hatten,  sollten  allmählich  mehr  Handweber
  zur  Fabrikation  herangezogen  und  mit  mechanischen  Stühlen
ausgestattet  werden.
Die  Webergenossenschaft  in  Lengefeld  besteht  noch  heute;  sie  arbeitet ­
  vorzugsweise  für  den  Staat.  Die  Verdienste  der  mit  mechanischen ­
  Stühlen  ausgestatteten  Weber  waren  besser  als  die  der  Handweber,
  auch  konnten  manche  festgeschlagenen  Waren  für  das  Heer
übernommen  werden,  die  der  Handwebstuhl  nicht  leistet;  ein  schwerer
Nachteil  gegenüber  den  Fabrikwebern  ergab  sich  aber  bei  jedem  Rückgang ­
  der  Beschäftigung:  das  Risiko,  die  Verzinsung  der  teuren  Maschine ­
  auch  in  schlechten  Zeiten,  lastete  auf  dem  Arbeiter  und  nicht
dem  Unternehmer,  und  so  sah  sich  die  Stadtverwaltung  während
der  Textilkrise  des  letzten  Jahres  genötigt,  sehr  erhebliche  Sunrmen
an  die  Hausweber  zur  Zahlung  ihrer  Zinsen  zu  gewähren.
Diese  Abwälzung  des  Risikos  auf  den  Arbeiter  läßt  den  ganzen
Versuch  in  einem  sehr  ztveifelhaften  Lichte  erscheinen.  Sie  bedeutet,
selbst  wenn  man  die  mechanische  Haus-  und  Fäbrikweberei  als  technisch ­
  gleichwertig  ansieht,  stets  einen  sehr  schwer  zu  ertragenden
Nachteil  des  Hauswebers  gegenüber  dem  Fabrikarbeiter.  Denn  es
darf  nie  übersehen  werden,  daß  jede  Produktionsstockung  stets  zuerst
zu  einer  Stillegung  der  Heimarbeitsbetriebe  führt;  wird  doch  von
Unternehmerseite  gerade  der  Umstand,  daß  man  den  Umfang  der
Heimarbeit  bequem  nach  Bedarf  ausdehnen  und  einengen  kann,  als
besonderer  Vorzug  dieser  Betriebsform  angesehen,  sie  häufig  sogar
lediglich  zu  diesem  Zwecke  beibehalten.  Ich  habe  auf  diesen  Punkt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.