Full text: Die Heimarbeit im Kriege

131 
8* 
Wenn, wie gezeigt, auch hier und da das privatkapitalistische 
Interesse aus der mechanischen Hauswe'berei Vorteil zieht, so ist es 
doch ganz falsch, daraus den Schluß abzuleiten, als ob der Haus 
weber, abgesehen von gewissen Spezialitäten, wirklich einen er 
folgreichen Kampf mit der modernen Fabrikweberei aufnehmen 
könnte. Die Kraft ist für ihn stets erheblich teurer. Mr die 
Abgabe der Elektrizität benutzen die meisten Elektrizitätswerke einen 
gestaffelten Tarif, bei dem der Preis entsprechend der Steigerung 
des Verbrmichs erheblich sinkt. Große mechanische Webereien haben 
infolge des außergewöhnlichen Bedarfs auch außergewöhnlich niedrige 
Elektrizitätspreise. Was ftir Unterschiede sich dabei ergeben, zeigt 
eine Feststellung in der sächsischen Niederlausitz: der Großbetrieb 
zahlt 3 Pfennige für die Kilowattstunde, der Hausgewerbtreibende 
15 Pfennige! Auch bei der Beschaffung der Motoren werden den 
jenigen, die größere Mengen beziehen, nicht unerhebliche Rabatte 
eingeräumt. 
Daß die R a u m miete sich im Hausbetrieb wesentlich niedriger 
stellt als in der Fabrik, erscheint bei genauer Berechnung sehr 
zweifelhaft. Der mechanische Webstuhl kann eigentlich nur im 
eigenen Hause aufgestellt werden, da, abgesehen vom Bandwebstuhl, 
das Hin- und Herwerfen der Schützen starke Erschütterung nicht 
nur des Stuhles selbst, sondern des ganzen Untergrundes herbei 
führt, zudem sehr laut klappert, so daß in Miethäusern die Auf 
stellung mechanischer Webstühle «unmöglich ist. In mechanischen 
Webereien ist durch Betonierung «des Fußbodens die unangenehme 
und namentlich für den Frauenkörper schädliche Erschütterung 
wesentlich verringert. Vor allem aber ist zu beachten, Daß die 
Ueberlegenheit des Fabrikbetriebes über die Hausweberei nicht 
allein in der Art des Antriebes der Stühle beruht, sondern in «der 
vorteilhaften Organisation des Herstellungs 
prozesses. So lohnen sich besondere Maschinen für die Vor 
bereitung des Ketten- und Schußmaterials ■ nur, wenn sich eine 
größere Anzahl von Webstühlen im Betrieb befinden. Dann aber 
geht die moderne Entwicklung der Technik darauf hinaus, möglichst 
viel Webstühle durch einen Weber bedienen zu lassen. Während
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.