Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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lang  von  neuem  der  Abschluß  eines  Vertrages  auf  die  Dauer  von
zwei  Jahren.  1912  wurde  zum  vierten  Male  ein  Tarifvertrag
auf  die  Dauer  von  drei  Jahren  geschlossen.
Nach  der  Schrift  von  BI  u  m,  „Die  deutschen  Militärsattler
und  der  Tarif  für  das  Lederausrüstungsgewerbe",  S.  36,  stand
bei  Ausbruch  des  Krieges  das  gesamte  Gewevbe  unter  tariflich  geregelten ­
  Lohn-  und  Arbeitsbedingungen,  und  ztvar  ans  der  Grundlage ­
  des  Berliner  Abkommens.  So  lvar  für  einen  Reichstarif  der
Boden  geebnet.  Die  Verhältnisse,  welche  durch  den  Krieg  entstanden, ­
  haben  die  Sehaftnng  des  Reichstarifvertrages  beschleunigt.  Da
auch  für  die  Heimarbeit  die  Kriegslage  eine  gewichtige  Rolle  spielt,
-vollen  wir  dieselbe  in  Kürze  erörtern:  Der  durch  den  Krieg  eingetretene ­
  erhöhte  Bedarf  in  Militäransrüstnngsgegenständen  rief
eine  Anzahl  neuer  Betriebe  dieser  Branche  ins  Leben.  Arbeiter
aus  den  verschiedensten  Berufen  ftlchten  und  fanden  Beschäftigung
bei  der  Herstellung  von  Lederansrüftungsartikeln,  welche  sonst
hauptsächlich  durch  gelernte  Sattler  stattfand.  Fiir  diese  sind  die
Löhne  durch  Tarifvertrag  geregelt,  der  schon  vor  dem  Kriege  für
die  Militärausrüstungsindustrie  bestand.  In  den  ersten  Wochen
des  Krieges  hatte  die  Tariftommission  der  Militärsattler  Deutschlands ­
  mit  den  Fabrikanten  vereinbart,  daß  ans  die  Tarifpreise  ein
Zuschlag  von  20  Prozent  gezahlt  weide.  Aber  schon  kurze  Zeit
nach  dieser  Abrede  erhöhten  die  alten  Betriebe  den  Kriegsznschlag
ans  30  Prozent,  um  sich  ihre  Arbeiter  von  den  neuen  Unternehmern
  nicht  fortholen  zu  lassen.
Die  während  des  Krieges  entstandenen  Betriebe  —  meist  von
berufsfremden  Unternehmern  errichtet  —  kehrten  sich  nicht  um  die
tariflichen  Vereinbarungen.  Ihnen  kam  es  zunächst  darauf  an,
geübte  Militärsattler  zu  erhalten,  um  mit  ihnen  die  leitenden
Stellen  in  ihren  Betrieben  zu  besetzen  und  zum  Anlernen  berufsfremder ­
  Arbeiter  zu  verwenden.  Um  tiichtige  Kräfte  zu  gewinnen,
zahlten  diese  Unternehmer  ungewöhnlich  hohe  Löhne.  Ferner  empfingen ­
  die  angelernten  Arbeiter  der  neuen  Betriebe  höhere  Akkordpreise
  als  die  für  die  alten  Fabriken  seit  Jahren  arbeitenden,  und
an  die  Tariflöhne  gebundenen  Sattler.
            
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