Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

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besprechungen  lieferte  und  am  1.  Januar  1862  als  Hilfe  für  den
ausländischen  Teil  in  die  Schriftleitung  eintrat.
Die  Zeitung  erschien  täglich  außer  Montags  mit  vier  Seiten,  Sonntags
wurde  ein  zweiseitiges  Beiblatt  gegeben,  das  bald  auch  in  der  Woche
mehrmals  erschien.  Im  ersten  Vierteljahr  zählte  das  Blatt  1650,  im
zweiten  2150  Bezieher.  Von  da  ab  wuchs  die  Zahl  stetig,  wenn  auch
langsam  auf  2530,  3100,  3300  usw.  Schon  damals  bestanden  Anzeigenannahmestellen ­
  in  Aachen  (Hensen  &  Co.),  Bonn  (Lützenkirchen),  Düsseldorf ­
  (Kampmann)  und  Münster  i.  W.  (Cazin).  Seit  dem  26.  April  1862
findet  sich  die  Bezieherzahl  täglich  am  Kopf  der  Zeitung:  4400;  Ende
des  Jahres:  4500.
Kurze  Zeit  nur  hatte  August  DuMont  seine  Stellung  inne,
als  der  Tod  ihn  abberief.  Wenige  Tage  darauf  begegnete  Bachem
auf  der  Straße  Heinrich  Schmidt,  der  schon  einzelne  Artikel
für  die  Kölnischen  Blätter  geliefert  hatte  und  nun  kurzer  Hand
als  Ersatz  DuMonts  verpflichtet  wurde.  Vom  folgenden  Tage  an
füllte  er  elf  Jahre  lang  als  Bedakteur  für  das  Ausland  seinen
Posten  aus,  ohne  daß  jemals  eine  Zeile  Schriftliches  zwischen
ihm  und  dem  Verleger  festgelegt  worden  wäre.  Schmidt  war
ein  Schwabe,  ein  Bruder  des  späteren  Wiener  Dombaumeisters
Friedrich  von  Schmidt,  und  von  vielseitigen  Talenten.  Während
sein  Bruder  1858  zum  Katholizismus  übertrat,  blieb  Heinrich
Schmidt  Zeit  seines  Lebens  Protestant,  stand  aber  allen  katholischen ­
  Verhältnissen  ohne  Voreingenommenheit  gegenüber.  Beachtung ­
  fanden  seine  strategischen  Kenntnisse  und  Voraussagungen
bei  den  kriegerischen  Vorgängen  auf  der  Balkanhalbinsel,  beim
spanischen  Karlistenaufstande  und  während  des  deutsch-französischen ­
  Krieges,  wie  auch  seine  etwas  frisch-fröhlichen  Theaterkritiken, ­
  zuerst  über  das  Theater  im  Cafe  Kobell  in  der  Schildergasse, ­
  dann  über  das  am  1.  Oktober  1862  eröffnete  neue  Theater,
beide  unter  Direktion  L’Arronge.  Als  der  Kulturkampf  das  Verhältnis ­
  von  Katholizismus  und  Protestantismus  zuzuspitzen  begann,
wurde  ihm  seine  Stellung  unbehaglich  und  er  verließ  sie  freiwillig, ­
  ohne  daß  eine  Mißhelligkeit  mit  dem  Verleger  vorangegangen ­
  wäre,  um  eine  Bibliothekarstelle  in  seiner  Vaterstadt
Stuttgart  zu  übernehmen.
In  der  Zeit  des  militärischen  Konflikts  der  1860er  Jahre
standen  die  Kölnischen  Blätter  zwar  entschieden  auf  seiten  der
Opposition,  hielten  sich  aber  so  vorsichtig,  daß  sie  schließlich
durch  alle  Fährlichkeiten  glücklich  hindurchgelangten.
            
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