Syllabus. Bald nachher wurde bekannt, daß im allgemeinen
Konzil in Rom die päpstliche Unfehlbarkeit in Sachen der
Glaubens- und der Sittenlehre verkündet werde. Die Kölnischen
Blätter vertraten zunächst klar und entschieden den kirchlichen
Standpunkt. Dann aber fand auch der unter den deutschen
Katholiken sich bemerkbar machende Widerstand hier und da
versteckt Eingang. Dieses Widerstreben, von Keusch und
Stumpf ausgehend und von Fridolin Hoffmann zugelassen und
unterstützt, nahm immer schärfere Formen an, so daß Erzbischof
Paulus Melchers Bachem gegenüber im Oktober 1867 seine
Mißbilligung der Haltung der Kölnischen Blätter zum Ausdruck
brachte, nachdem kurz vorher die (erste) Fuldaer Bischofskonferenz
ihre Bedenken dagegen erhoben hatte. Der Erzbischof
und später auch Bischof v. Ketteier in Mainz rügten besonders
die Haltung Reuschs in der Frage der deutschen Wissenschaft
(„Richtung Döllinger“) und die unangemessene Kritik erzbischöflicher
Erlasse. Der Einwirkung des Subregens Prof. Heuser war
es zu verdanken, daß der Erzbischof fernerhin nicht mehr in der
Zeitung angegriffen wurde.
So dankbar nun auch Josef Bachem für die gesamte ihn
außerordentlich verpflichtende Tätigkeit Reuschs bei der Zeitung
und in seinem Verlag auch war, vertieften sich die Gegensätze
beider in vielen grundsätzlichen Fragen immer mehr. Vergebens
suchte August Reichensperger gewissermaßen ein Schiedsrichteramt
auszuüben. Schon im Jahre 1868 hatte sich der Verleger
gezwungen gesehen, gegen Hoffmanns Willen Stumpf um
Einstellung der Wochenschau zu ersuchen, mit deren Bearbeitung
er Dr. A. J. Krebs für die innere deutsche Politik und Dr.
J-Bumüller für Süddeutschland, Oesterreich und das Ausland
betraute. Eine Kündigung von seiten Hoffmanns und ihre Zurücknahme
führte zu einem Vertrag, gemäß welchem der Verleger
für die Aufnahme von kirchenpolitischen Artikeln sich ein Einspruchsrecht
vorbehielt. Die Stellung des Verlegers Keusch
gegenüber wurde immer schwieriger. Im September 1868 schrieb
Bachem an Keusch: „Wie ich Euer Hochwürden schon einmal.
Ich glaube zur Zeit des Syllabus sagte, wenn es auch der
schwerste Tag meines Lebens sein würde, wenn Sie den Köln.
Blättern Ihre Mitwirkung entzögen, so darf ich doch nicht gegen
m eine Ueberzeugung handeln. Sie wollen in dieser Erklärung
keine Ueberhebung finden. Es ist doch Thatsache, daß diejenigen