Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Abiturientenprüfung in Kempen am Rhein zuerst in Bonn neuere Sprachen, 
dann Rechtswissenschaft. Der Vater hatte nur unter der Bedingung darin 
eingewilligt, daß er sich nach Ablegung der ersten rechtswissenschaft 
lichen Prüfung auf eigene Füße stellen werde. Schon ehe er das „Aus 
kultatorexamen“ bestanden hatte, war er in Bonn an den „Kölnischen 
Blättern“ gelegentlicher Mitarbeiter gewesen. Als nun Josef Bachem ihn 
an seine Zeitung berief, folgte er in Erfüllung des seinem Vater gegebenen 
Versprechens dem Rufe. Seine Schriftleitungstätigkeit hielt ihn von 
weiteren Studien nicht ab und als er sich 1873 der Assessorprüfung 
unterzog, bestand er sie mit Auszeichnung. 
Es zeigte sich bald, daß Josef Bachem mit der Erwerbung dieser 
jungen Kraft zu Ende 1869 den rechten Mann gefunden hatte. Julius 
Bachem war nicht nur ein geborener Tagesschriftsteller, sondern 
auch ein zur politischen Führung berufener Mann. „Gleich in der 
ersten Zeit meiner journalistischen Tätigkeit,“ sagt er in seinen 
»Erinnerungen eines alten Publizisten und Politikers“ (Bachem, 
Köln 1913, S. 32), „fiel mir eine Aufgabe zu, welche die Hauptaufgabe 
meines öffentlichen Wirkens geworden und geblieben ist: die 
Propagierung des Zentrumsgedankens und die Vertretung der 
Zentrumspolitik. Publizistisch habe ich an der Wiege der Zen 
trumsfraktionen gestanden und die Fraktionen zeitlebens auf 
ihren Wegen in den Parlamenten begleitet. Insbesondere wurden 
von mir schon im Jahre 1871 in einer Reihe von Artikeln in 
der Kölnischen Volkszeitung eingehender die Gesichtspunkte ent 
wickelt, welche für die Bildung des Reichstags-Zentrums maß 
gebend waren.“ 
Hatte Josef Bachem mit der Gewinnung dieses hervorragenden 
Mannes einen glücklichen Griff getan, so war er weniger 
zufrieden mit Dr. Paul Majunke, der von Februar bis Septem 
ber 1870 in der Schriftleitung tätig war. Als 28jähriger Kaplan in 
Breslau hatte er mit einigen Flugschriften die Aufmerksamkeit 
auf sich gelenkt; eine von ihnen; „Die confessionslose Volks 
schule vor dem Richterstuhle der Vernunft, der Geschichte und 
des Gesetzes“ war im Jahre vorher im Bachemschen Verlag 
erschienen. So gut auch die Grundsätze waren, die er verfocht, 
so wenig gefiel manchem die Art, mit der er es tat. In einem 
gegen Döllinger gerichteten Artikel hatte Majunke auch die 
allgemeine Wendung von den „hochmütigen deutschen Profes 
soren“ gebraucht. Josef Bachem wollte sie beseitigt wissen. Als 
Majunke darauf bestand, kam es zu Auseinandersetzungen, 
deren Schluß die Kündigung von seiten des Verlegers war.
	        
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