Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Sätzen  und  als  gewandter  Stilist,  und  so  erkannte  Josef  Bachem
in  ihm  den  richtigen  Mann,  dem  er  die  Leitung  der  Zeitung  anvertrauen ­
  konnte.  Die  ganze  Polemik  erschien  übrigens  im  Jahre
1875  unter  dem  Titel  „Der  alte  Fuhrmann  (Vincenz  von
Zuccalmaglio)  heimgefahren  von  einem  Rheinischen  Antiquarius“
in  zwei  Auflagen  im  Verlag  Bachem.
Cardauns,  der  drei  Jahrzehnte  lang  die  Kölnische  Volkszeitung  geleitet
hat  (seit  6.  Juli  1878  als  Haupt-  und  gleichzeitig  verantwortlicher  Schriftleiter) ­
  entstammt  einer  alten  Kölner  Juristenfamilie,  aus  der  er  als  zwölftes
Kind  des  Notars  Alexander  Cardauns  am  8.  August  1847  hervorging.  In
München,  Bonn  und  Göttingen  hatte  er  Geschichte  studiert  und  sich  schon
im  Winter  1872/73  als  Privatdozent  in  Bonn  niedergelassen.  Nachdem  er
sich  in  den  Herbstferien  1875  sechs  Wochen  auf  der  Redaktion  eingearbeitet
hatte,  trat  er  am  17.  März  1876  in  dieselbe  ein.  Nach  dem  Tode
Büschers,  seit  dem  5.  Juli  1878,  zeichnete  dann  Dr.  Cardauns  dauernd  als
verantwortlicher  Schriftleiter  die  KV  bis  zu  seinem  Austritt  am  1.  Mai  1907.
Seit  dieser  Zeit  war  Josef  Bachem  der  Sorge  um  die  rechte  politische
Haltung  der  Zeitung  ledig.  Julius  Bachem  und  Herrn.  Cardauns  übernahmen ­
  nun  die  Verantwortung  für  die  KV  auf  ihre  Schultern  und
trugen  sie  einträchtig  drei  Jahrzehnte  lang.
Der  zweite  große  Zeitabschnitt  in  der  Geschichte  der  Zeitung  hatte
mit  dieser  Neuregelung  der  Schriftleitung  begonnen.  Gekennzeichnet  wurde
er,  wie  oben  schon  angedeutet,  durch  die  folgerichtige  Vertretung  des
Zentrumsgedankens,  in  den  meisten  Fällen  in  Uebereinstimmung  mit  den
Fraktionen,  hie  und  da  aber  auch  einmal  in  Einzelfragen  gegen  die
Ansichten  der  Fraktionsmehrheiten.  Hat  doch  die  KV  sich  nie  als  ein
Werkzeug  der  Partei  willenlos  verschrieben,  sondern  stets  die  eigene
Meinung  selbständig  vertreten  und,  wenn  es  ihr  nötig  erschien,  nachdrücklich ­
  verfochten.  Unentwegt  und  folgerichtig  wurden  die  einmal
festgelegten  Richtlinien  in  allen  auftauchenden  Fragen  festgehalten  und
verteidigt.
In  den  1870er  Jahren  und  auch  noch  später  gab  Josef  Bachem
manchem  jungen  Redakteur  Gelegenheit  zur  Ausbildung  an  der
KV,  und  so  ist  er  als  „Altmeister  der  katholischen  Presse“  in
weiten  Kreisen  bekannt  gewesen.
So  verdient  sich  der  Verleger  damit  auch  für  die  Zentrumspresse
gemacht  hat,  so  kamen  diese  in  der  Ausbildung  begriffenen  Hilfskräfte ­
  für  die  Arbeit  an  der  KV  selbst  kaum  in  Betracht.  In
diese  teilten  sich  vielmehr  nur  wenige  Männer:  Neben  Julius
Bachem  und  Dr.  Cardauns  war  seit  dem  1.  Oktober  1880  acht
Jahre  lang  als  Nachfolger  Büschers  Dr.  Eduard  Marcour  als
Auslandsschriftleiter  tätig,  als  Provinz-  und  Ortsschriftleiter
            
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