Schneiders Höllriegl aus der Hafengasse, spricht dasUrwienertum
der Verfasserin fesselnd und lockend den JLeser an. In der
Kaiserstadt ist sie als Tochter eines höheren Eisenbahnbeamten
geboren und hat eine Zeitlang als Lehrerin gewirkt, bis sie dem
Dr. Gustav Köck die Hand zum Leben reichte. In Spital am
Semmering, wo sie den Sommer in einer Alpenvilla zu verbringen
pflegt, machte sie die Studien zu ihrem Roman „Wunder der
Heimat“, der die Wirkung des Weltkrieges auf eine kleine
Gemeinde der Nordsteiermark schildert. Als erstes Werk war
ihm 1913 die Geschichte eines Stiefkindes „Liese“ voraufge
gangen und aus demselben Jahre stammt Das Vorstadthaus. Mit
den köstlichen Wiener Erzählungen „Wiener Gemüat“ und dem
humorvollen Landsturmmann „Stützerl“ erwarb sich die Ver
fasserin neue Anerkennung, und eine „Geschichte aus dem dritten
Kriegsjahr: Wiener Frauen“ ist das neueste Werk ihrer schätz
baren fleißigen Feder, von der wir noch manches Wertvolle
erwarten dürfen.
Als bedeutsame und fleißige Erzählerin erwies sich für die
KV und den Verlag Franziska Bram, deren Vorzüge einer
plastischen Darstellung, eines guten Stils und eines gelegentlich
feinen Humors noch nicht nach Gebühr anerkannt worden sind.
Sie ist ein Eifeier Kind, stammt aus Hillesheim, wo der Vater Friedens
richter war, und verlebte hier ihre Kindheit und — nach dem frühen
Tode der Mutter im großväterlichen Hause — ihre erste Jugend. „Die
stärksten Eindrücke meines Lebens,“ sagt sie selbst, „habe ich in den
Jahren in der Eifel gehabt, nicht nur von der eigenartigen Natur, sondern
auch von den Menschen, von denen die Tante, die uns erzog, aus alter
und neuer Zeit immer und immer wieder mit viel Phantasie und großer
Erzählungskunst zu berichten wußte. Schon damals war in mir der
Wunsch rege, einmal alles dies und noch viel mehr niederzuschreiben,
eine Ahnung, die aber erst in viel späterer Reifezeit zur Erfüllung kam.“
Von 1892—99 war sie dann bei ihrer Schwester in Bingen, in den letzten
zehn Jahren auch viel und lange in Berlin. Nachdem sie schon in Bingen
die ersten Versuche in der Schriftstellerei gemacht hatte, kam der Wunsch
ihrer Kinderzeit 1902 zuerst in einer kurzen Skizze erfolgreich zum
Durchbruch.
Im Jahre 1903 schrieb sie für die KV eine kleine novellistische
Arbeit: „Tante Dorotheas Feierabend“. Seitdem ist die hoch-
begabte Schriftstellerin eine treue Mitarbeiterin geblieben. Aus