Full text: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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(19) 1837 Nov. 10 
mehrere Zusammenkünfte mit Freunden in Stralow geriet ich in 
einen Doktorklub, worunter einige Privatdozenten und mein in- 
timster der Berliner Freunde, Dr. Rutenberg. Hier im Streite 
offenbarte sich manche widerstrebende Ansicht, und immer fester 
keitete ich mich selbst an die jetzige Weltphilosophie, der ich zu 
entrinnen gedacht, aber alles Klangreiche war verstummt, eine 
wahre Ironiewut befiel mich, wie es wohl leicht nach so viel 
Negiertem geschehen konnte. Hierzu kam Jennys Stillschweigen, 
und ich konnte nicht ruhen, bis ich die Modernität und den Stand- 
punkt der heutigen Wissenschaftsansicht durch einige schlechte x 
Produktionen, wie „Der Besuch“ etc., erkauft hatte. 
Wenn ich hier vielleicht Dir dies ganze letzte Semester weder 
klar dargestellt noch in alle Einzelheiten eingegangen, auch alle 
Schattierungen verwischt, so verzeihe es meiner Sehnsucht, von 
der Gegenwart zu reden, teurer Vater. 1 
H. v. Chamisso hat mir einen höchst unbedeutenden Zettel zu- 
geschickt, worin er mir meldet, „er bedaure, daß der Almanach 
meine Beiträge nicht brauchen könne, weil er schon lange gedruckt 
ist“, Ich verschluckte ihn aus Arger. Buchhändler Wigand hat 
meinen Plan dem Dr. Schmidt, Verleger des Wunderschen Kauf- 20 
hauses von gutem Käse und schlechter Literatur, zugeschickt. 
Seinen Brief lege ich bei; der letztere hat noch nicht geantwortet, 
Indessen gebe ich keinenfalls diesen Plan auf, besonders da sämt- 
liche ästhetischen Berühmtheiten der Hegelschen Schule durch 
Vermittlung des Dozenten Bauer, der eine große Rolle unter ihnen 25 
spielt, und meines Koadiutors Dr. Rutenberg, ihre Mitwirkung 
zugesagt. 
Was nun die Frage hinsichtlich der kameralistischen Karriere 
betrifft, mein teurer Vater, so habe ich kürzlich die Bekanntschaft 
eines Assessors Schmidthänner gemacht, der mir geraten, nach dem 30 
dritten juristischen Examen als Justitiarus dazu überzugehen, was 
mir um so eher zusagen würde, als ich wirklich die J urisprudenz 
aller Verwaltungswissenschaft vorziehe. Dieser Herr sagte mir, 
daß vom Münsterschen Oberlandesgericht in Westfalen er selber 
und viele andere in drei Jahren es bis zum Assessor gebracht, was 36 
nicht schwer sei, versteht sich, bei vielem Arbeiten, da hier die Sta- 
dien nicht wie in Berlin und anderswo. fest bestimmt sind. Wenn 
man später als Assessor promoviert zum Dr., sind auch viel leichter 
Aussichten vorhanden, sogleich als außerordentlicher Professor 
eintreten zu können, wie es dem Herrn Gärtner in Bonn gegangen, 4 
der ein mittelmäßiges Werk über Provinzialgesetzbücher schrieb 
und sonst nur darin bekannt ist, daß er sich zur Hegelschen 
Juristenschule bekennt. Doch mein teurer, bester Vater, wäre es 
nicht möglich, dies alles persönlich mit Dir zu besprechen! 
Eduards Zustand, des lieben Mütterchens Leiden. Dein Unwohl. 4
	        
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