Schriftsteller dazu besonders berufen seien, weil sie die Konflikte im
Sinne der katholischen Weltanschauung lösen. Wenn Verirrungen mensch
licher Leidenschaften als verwerflich dargestellt werden, können sie nur
abschreckend wirken. Schädlich und verwerflich wäre efe nur, wenn eine
solche Verirrung als Tugend erschiene und gepriesen würde. Diesen
ausführlich dargelegten Grundsätzen stimmten die meisten Romanleser
der KV durchaus zu, wie aus dem, der ersten Auflage (1904) des Romans
vorausgesandten Abdruck dieser ganzen Erörterung unter dem Titel
„Die Behandlung tiefer Konflikte im Roman“ hervorging.
Eine weitere starke Talentprobe gab Marie Luise von Hutten-Stolzenberg
1912 in ihrem Roman „Die Stärkere“, in der sie eine hervorragende
Charakterisierungskunst offenbart. Sie hinterließ ihn unfertig; vollendet
hat ihn auf Grund der nachgelassenen Aufzeichnungen Franziska Bram.
Auffallenderweise hatte sie erst in den letzten 8 bis 10 Jahren
ihres Lebens die Schriftstellerei begonnen. Am 19. September 1858
zu Bayreuth geboren, erhielt sie ihre Erziehung im Salesianerinnen-
kloster Zangberg; nach ihren Büchern könnte man auf reiche
äußere Erlebnisse schließen, die sie aber nicht hatte. Um so
mehr ist ihre Phantasie und der Reichtum inneren Lebens zu
bewundern. Am 11. November 1907 starb sie unvermählt auf
Schloß Steinbach bei Lohr a. Main.
Dort wohnte auch ihre Base, die Baronin Marie von Hutten,
die als Stiftsdame den Frauentitel führt und sich durch den
Roman „Rufende Weite“ einen Namen von gutem Klang
geschaffen hat. Er ist auch kein Erstlingswerk, denn sie schrieb
seit Ende der 1890er Jahre in der KV bis zum Tode ihrer
Base, um Verwechslungen zu vermeiden, unter dem Pseudonym
Marie Scotta Novelletten und Märchen. Den Lesern der
Zeitung ist sie 1916 auch durch den Roman „Des Weges Ende“
noch näher bekannt geworden. Am 24. Jan. 1867 zuWürzburggeboren,
besuchte sie in Dietramszell bei München ein Salesianerinnen-
kloster, lernte aber dann auf vielen Reisen die Welt kennen,
bevor sie sich auf Steinbach zurückzog. Bücher waren ihr stets
gute Freunde, und so gewann sie eine reiche Bildung.
Im Jahre 1906 trat die schweizerische Dichterin Isabelle
Kaiser in die Reihe der Bachemschen Schriftstellerinnen. „Zwei
Orte,“ sagt sie in einer Skizze über ihr Leben, „werden dem
Menschen zur Heimat auf Erden: die Stätte, wo er das Licht