Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

der Welt erblickte, und die Stadt, wo sein Geist zum Leben er 
wachte. Der Umstand, daß bei mir die erste am Vierwaldstättersee, 
im schattig gefriedeten Beckenried lag, wo deutsch-schweize 
rische Art und Sprache herrschen, und die zweite am Rhone 
strand, in Genf, wo romanische Sitten und französische Kultur 
gelten, löst wohl in natürlicher Weise das Rätsel meiner zwei 
sprachigen literarischen Tätigkeit.“ Im 13. Lebensjahr Isabellas 
übersiedelte die Familie von Genf in Vaters Heimat Zug, einem 
schönen, Bethlehem getauften Landsitz. Nie hat Isabelle von 
ihren Eltern ein deutsches Wort gehört; ohne Anleitung lernte 
sie hier die deutsche Sprache. Mit 18 Jahren erhielt sie bei einem 
französischen Wettbewerb für eine Novelle „Gloria victis“ den 
ersten Preis. In ihrem Geburtsort Beckenried, wohin sie zur 
Mutter 1896 verzogen war, kehrte die altkatholisch Erzogene zur 
Mutterkirche zurück, und nun gingen von hier aus ihre deutschen 
Werke in die Welt. Für Novellen errang sie den ersten Preis 
eines Ausschreibens von Ueber Land und Meer, ihre erste 
deutsche Novellensammlung: „Wenn die Sonne untergeht“ er 
schien im Jahre 1901 bei Cotta in Stuttgart. Nach dem im 
Todesjahr der Mutter erschienenen Novellenband „Seine Majestät“ 
[der Tod] veröffentlichte sie 1906 als erstes Werk im Bachem- 
schen Verlag die deutsche Uebersetzung des im Jahre 1900 ent 
standenen meisterhaften sozialen Romans Notre pere, qui etes 
aux cieux unter dem Titel „Vater unser . . .“ Ihre ferneren fein 
sinnigen Schöpfungen sind „Die Friedensucherin. Roman aus 
dem Leben einer Frau“, eine Art psychologischer Selbstbiographie 
(französisch u. d. T. Marcienne de Flue, Memoires d’une femme), 
der zuerst in der Leipziger Illustrierten Zeitung erschienene 
Roman „Der wandernde See“, die Schilderung eines Kampfes 
zwischen Natur und Mensch (1910, 8—10.Tausend 1918), und die 
im Jahre 1914 erschienene Novellensammlung „Von ewiger 
Liebe“. Sie zeugen von der unverminderten Schaffenskraft 
trotz schmerzhafter Krankheit, die sie 1913 schon einmal in den 
Zeitungen hat sterben lassen. Sechs Skizzen über Beckenried 
(»Mein Dorf“) faßte sie in einem kleinen Bändchen zusammen. 
»Noch ist Tag und Schaffenszeit“, so schließt sie die Lebens 
skizze, „meine Garbe ist noch nicht gebunden . . .“
	        
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