Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

werden  müssen,  worüber  sich  Aufzeichnungen  oder  Anhaltspunkte
nicht  erhalten  haben.  Ihre  Tätigkeit  wird  sich  in  der  Hauptsache
auf  zwei  Ausübungen  beschränkt  haben;  das  Trocknen  und  Pressen
der  feuchtgedruckten  Werkdruckbogen  und  das  Broschieren  der
Verlagswerke,  das  freilich  erst  damals  allgemeiner  üblich  wurde,
denn  vordem  versandte  der  Verlagsbuchhandel  einfach  die  ungefaßten ­
  („rohen“)  Bogen.
Aus  den  schon  früher  erwähnten  Zündorfschen  Aufzeichnungen
geht  hervor,  daß  im  Jahre  1860  in  der  Bachemschen  Buchbinderei
und  der  Zeitungs-Versendung  der  Meister  Dick  mit  zwei  bis  drei
Gehilfen,  einem  Lehrling  und  acht  bis  zehn  Hilfsarbeitern  tätig
war.  Außer  einem  Papierschneide-Apparat  befanden  sich  dort
zwei  hölzerne  und  eine  eiserne  Glättpresse  und  andere  Vorrichtungen. ­
  Die  vor  dem  Druck  gefeuchteten  Bogen  mußten
nach  dem  Druck  wieder  getrocknet  werden.  Damals  wurden
je  sechs  bis  acht  Bogen  über  nahe  der  Zimmerdecke  angebrachte
Schnüre  aufgehängt.  Solche  befanden  sich  nicht  allein  in  der  zu
ebener  Erde  gelegenen  Buchbinderei,  sondern  auch  in  der  Setzerei
und  Druckerei.  Die  nach  einigen  Tagen  heruntergenommenen  Bogen
wurden  dann  zu  mehreren  zwischen  Glanzpappen  in  der  Glättpresse ­
  —  einer  alten,  sehr  massiv  gebauten  Schraubenpresse
aus  Eichenholz  —  über  Nacht  glatt  gepreßt.
In  dem  Druckereigebäude  an  der  Bahnhofstraße  war  die  Buchbinderei ­
  im  zweiten  Stockwerk  in  einem  großen  hellen  Raum
untergebracht,  in  dem  der  Meister  Peter  Josef  Bölling  seit  dem
23.  Oktober  1865  mit  gutem  Erfolg  das  Zepter  führte.  Zu  der
hölzernen  Glättpresse  hatte  sich  eine  neue  eiserne  Schraubenspindelpresse ­
  gesellt,  zu  Anfang  der  70  er  Jahre  kam  eine  hydraulische ­
  Presse  dazu.
Jos.  Bachem  ließ  seine  sämtlichen  Söhne  während  ihrer  jungen  Jahre
einen  förmlichen  Lehrkurs  bei  Meister  Bölling  durchmachen,  um  sie  in
der  Handfertigkeit  zu  üben.  Vielfach  wurde  dazu  unter  Beteiligung  von
Schulfreunden  der  Sonntagvormittag  verwandt.  Daß  die  Jungen,  nicht
gerade  die  ruhigsten,  dabei  häufig  auch  mit  dem  Lederriemen  Böllings
fühlbare  Bekanntschaft  machten,  bildet  noch  heute  eine  ihrer  fröhlichsten
Jugenderinnerungen.
Anfangs  der  80er  Jahre  wurde  es  im  Bachemschen  Verlagsbuchhandel ­
  üblich,  geeignete  Werke  in  gebundenem  Zustande  auf  den
Markt  zu  bringen.  Das  Steinsche  Gesang-  und  Gebetbuch  ließ  Josef
Bachem  damals  noch  in  fremden  Buchbindereien  und  staatlichen
            
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