Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Reichlich besetzt, Fruchtbarlich gegründet, Annehmblich geziert: Durch 
P. Wilhelmum Nakatenum Der Societät Jesu Priestern. Fünffter Truck, 
vom Author merklich in Materi und newen Kupfferstücken vermehrt, 
verbessert und in füglichere Ordnung gebracht. Colin Bey Johan Wil 
helm Friessem, Anno 1691.“ Das Buch enthält 35 deutsche Liedertexte 
ohne Melodien, teils Uebersetzungen lateinischer Hymnen, teils frei 
gedichtete Lieder (vgl. Baumker, Kirchenlied III, S. 34, 52). 
(S. 70) Alb. Gereon Stein war ein Kölner Kind aus dem Volke, am 
29. September 1809 geboren und 1833 zum Priester geweiht. Nach vier 
jähriger Tätigkeit als Kaplan in Cornelimünster kehrte er in seine Vater 
stadt zurück, zunächst als Rektor an der de Grooteschen Familienkapelle 
,,Im Elend“ (bedeutet hier soviel wie der Fremden, Nicht-Einheimischen). 
Nach zwölf Jahren wurde er Pfarrer von St. Johann Baptist und 
1837 Definitor und Pfarrer von St. Ursula. Als einfacher Mann war 
er beim Volke allbeliebt und ein trefflicher Kanzelredner. Auch als 
Komponist hat er sich hervorgetan, sein „Ecce homo“, „Kyrie eleison“, 
„0 Jesu, all mein Leben bist du“, „Wir grüßen dich heute mit frohem 
Sinn, Maria, der Engel Königin“ waren sehr beliebte Melodien. 
(S. 74) Gegen die sog. Maigesetze verstieß Erzbischof Melchers zum 
ersten Male dadurch, daß er im Mai 1873 zwei Vikaren wegen ihres Ueber- 
tritts zum Altkatholizismus die Vornahme der priesterlichen Handlungen 
untersagte. Das Kölner Zuchtpolizeigericht verurteilte ihn dafür zu 
50 Taler Geldbuße. Als er aber fortfuhr, Geistliche zu entsetzen und 
anzustellen, wurde er schließlich am 31. März 1874 verhaftet und in das 
Gefängnis am Klingelpütz gebracht, wo er bis zum 9. Oktober blieb. Wieder 
freigelassen, erhielt er am 2. Dezember 1875 mit Rücksicht auf „die von 
ihm verhängten Exkommunikationen, die gesetzwidrige Anstellung von 
Geistlichen und die Nichtbesetzung vakanter Pfarreien, die Verhinderung 
der Visitation des Priesterseminars 1873 und 1875, die von ihm inszenierte 
Aufregung der Bevölkerung durch den Empfang der Massendeputationen 
’a dem Tage vor seiner, wegen Nichtzahlung der erkannten Geldstrafe 
notwendig gewordenen Verhaftung, endlich wegen des äußersten Maßes 
des Widerstandes, das er seiner Verhaftung entgegengesetzt“ habe, durch 
den Oberpräsidenten von Bardeleben die Aufforderung zur Amtsnieder- 
Ißgung zugestellt. Als er sich weigerte, wurde er am 28. Juni 1876 durch 
den neugegründeten Kgl. Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten „ab 
gesetzt“. Das erzbischöfliche Vermögen verfiel der Beschlagnahme, weil 
das Metropolitankapitel sich weigerte, einen Kapitelsvikar zu wählen. 
Schon vorher (Ende 1875) war der Erzbischof nach Holland zu den Franzis 
kanern in Maastricht geflüchtet. Nachdem sich die Wogen des Kultur 
kampfes wieder geglättet hatten, erhob ihn Papst Leo XIII. in dem 
Konsistorium vom 27. Juli 1885 zum Kardinal und berief ihn nach Rom. 
Sein Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhle wurde der Bischof 
von Ermland, Philippus Krementz. Auf dessen ’ Aufruf errichteten die
	        
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