Full text : Das Ich und der Staat

V. Uberstaatliche Bindungen des Jchs
1. Rasse
CV edes Ich wird in „,,seinen““ Staat hineingeboren. In die völtische
 Schicksalsgemeinschaft, der es – von verschwindenden
Ausnahmen abgesehen ~ für die Zeit seines Erdendaseins verbunden
bleibt. Jedes Ich fühlt sich aber, das eine stärker, das andere
schwächer, noch einer weiteren Gemeinschaft verbunden, die über
die Grenzen des eigenen Volkes hinausreicht.
Dies Gefühl macht sich um so weniger geltend, je ausschließlicher
 sich das Leben des Ichs im Kreise der Volksgenossen abspielt.
 Wo immer aber ein weißes Ich einem farbigen gegenübertritt,
 da wird es sich der Zugehörigkeit zu einer weiten Gemeinschaft
 bewußt, die zahlreiche Völker zum lockeren, doch auch nicht wegzuleugnenden
 Gefüge der weißen Rasse zusammenfaßt. Das weiße
Ich deutschen Stammes hat ein vielleicht unklares, dennoch sicheres
Gefühl dafür, daß es mit Skandinaviern, Engländern und Amerikanern,
 mit Spaniern, Italienern und Russen immer noch eher
in Lebensgemeinschaft treten könnte, als mit Negern oder Papuas.
Aber auch gegenüber dem hochgebildeten Hindu, Chinesen oder Japaner,
 die nicht eigentlich unter den Begriff der ,„„Farbigen““ fallen,
besteht ein stärkeres Gefühl des Fremdseins, als gegenüber dem
Ausländer kaukasischer Rasse.
Man kann den Rassenbegriff also vielleicht so bestimmen: eine
Gemeinschaft von Völkern, die ihre Wesensfremdheit gegenüber
andern Völkern fühlt, innerhalb deren die einzelnen Völker einander
aber immer noch wesensfremd gegenüberstehen. Ob man, wie es
der Sprachgebrauch bei Bedarf tut, innerhalb der kaukasischen
Völkergemeinschaft noch von germanischer und romanischer „„Rasse‘“
reden soll, kann dahingestellt bleiben. Denn dem Ich als deutschem
Staatsbürger tritt das Rassenproblem in der Regel nur entgegen
in der besonderen Form der Judenfrage.
Die sachliche Erörterung dieser Frage leidet unter der Schwierigkeit,
 daß von der einen Seite zwar Stoff in Hülle und Fülle zu-
            
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