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perger, Dr. Lieber, Dr. Spahn, Prof. Hitze, Gröber, Trimborn,
Franz Brandts, Mathias Wiese u. a. haben öfters ihre Tafel
runde geziert.
Das sorgfältige Studium der Kölnischen Volkszeitung be
trachtete sie als tägliche Lebensaufgabe. Als echte christliche
und deutsche Frau widmete sie den Geschicken ihrer Kirche
und ihres Vaterlandes ihre vollste Teilnahme. Wenn in jener
unglückseligen Zeit der inneren Entzweiung in den siebziger
und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sie der schweren
Ungerechtigkeit und Unbill gedachte, welche ihrer Kirche, deren
heldenmütigen Bekennern und dem katholischen Volke seitens
einer irregeleiteten Zeitrichtung angetan wurde — und unter
welcher auch Persönlichkeit und Geschäft ihres Gatten sehr
litten — dann konnten ihre Augen ebenso blitzen und die Faust
sich ballen, als wenn sie heutzutage der Niedertracht und Ver
leumdungssucht der Söhne Englands und des törichten Hasses
der Franzosen gedenkt, die so unsagbares Elend über das heiß
geliebte deutsche Vaterland gebracht haben. Las sie aber in
ihrer Zeitung die großen Reden der Vorkämpfer des Katholizismus
und der Zentrumspartei, dann konnten ihre Augen voll Begeisterung
leuchten — ebenso wie heute — wenn sie von den Heerführern
und Staatsmännern spricht, welche die Geschicke des Vater
landes im Weltkriege leiten und durchkämpfen, und von den
tapfern Männern, welche aus ihrer geliebten Heimat das Kriegs
elend fern halten.
Bezeichnend hierfür ist folgendes Geschehnis. Als im Sommer
1917 im Osten der große Erfolg gegen die russische Kerenski-
Offensive zusammentraf mit dem heldenmütigen Widerstande im
Westen in der Flandernschlacht gegen die Engländer, wallte
bei der Siebenundachtzigjährigen ein überaus warmes Dank
barkeitsgefühl auf. In ihrer vaterländischen Begeisterung gab
s ie Auftrag zu einer Begrüßungs- und Dankdepesche an Hinden-
burg, deren Wortlaut sie, ihre Augen auf das glitzernde Band
des Rheinstroms gerichtet, vorschrieb:
Generalfeldmarschall von Hindenburg, Großes Hauptquartier.
Eine 87jähnge Urgroßmutter, die sechs Enkel im Felde hat,
fühlt sich gedrungen, Ew. Exzellenz aus tiefstem Herzen zu danken
für Ihre Sorge, uns das Schlachtfeld vom Rhein fern gehalten zu
haben. Frau Jos. Bachem.