Metadata: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

nehmen, werden die Besitzer des Bodens dritter Klasse ihrerseits zu Renten 
beziehern usw. 1 ). 
Man hat dieser Theorie vorgeworfen, daß diese Hierarchie der Boden 
klassen für die Zwecke der Beweisführung erfunden worden sei. In diesem 
Punkte jedoch hat Ricardo im Gegenteil weiter nichts getan, als in 
wissenschaftlicher Sprache das auszudrücken, was jeder Bauer meint, 
wenn er, ohne zu zögern und auf Grund einer Überlieferung von Vater 
auf Sohn, sagt: „Das ist guter Boden, das ist schlechter Boden!“ 
Ricardo, den man stets als rein abstrakten Geist hinstellt, war ein 
sehr praktischer Mensch und ein sehr guter Beobachter, der weiter nichts 
getan hat, als die Tatsachen, die sich vor ihm abspielten, und die die 
öffentliche Meinung und das Parlament beschäftigten, in Formeln zu 
fassen. Denn die Erhöhung der Bodenrente, die auf die Erhöhung der 
Getreidepreise am Ende des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts 
folgte, war die eindrucksvollste Tatsache in der wirtschaftlichen Geschichte 
Englands. Im ganzen Verlauf des 18. Jahrhunderts, bis 1796, war der 
Höchstpreis des Getreides 60 sh und einige Pence pro Quarter gewesen. 
1795 aber stand der Preis auf 92 sh, und 1801 fast auf dem dreifachen des 
alten Preises, nämlich auf 177 sh! Dieser exorbitante Preis, der allerdings 
keine besondere Dauer hatte, geht auf außergewöhnliche Ursachen zurück, 
unter denen hauptsächlich die Kriege gegen Napoleon und die Kontinental 
sperre anzuführen sind. Trotzdem aber stand der Durchschnitt in den 
Jahren 1810—1813 auf 106 sh 2 ). 
Die Erhöhung des Getreidepreises lag nämlich nicht nur an zufälligen 
Ursachen, sondern beruhte auf der unvermeidlichen Tatsache, daß die 
verfügbaren Felder nicht länger ausreichten, um die Bevölkerung zu er 
nähren, so daß es notwendig geworden war, neue Felder urbar zu machen, 
ohne Rücksicht auf ihre Lage oder ihre Beschaffenheit. Die Weiden, die 
früher große Strecken des englischen Bodens eingenommen hatten, wichen 
Pag für Tag mehr vor dem Pfluge. Es ist die Periode, in der jene schreiende 
*) „Mit jedem Bevölkerungszuwachs, der eine Nation zur Inangriffnahme der 
bebensmittelerzeugung durch Bestellung geringerwertiger Felder zwingt, steigt die 
“acht der höherwertigen Felder“ (S. 47). 
2 ) Nach Cannan’s prächtigem Buch „History of the theories of produc- 
tion and distribution in the political Economy of England from 1778 
*° 1848 (S. 195), war der Durchschnittspreis jedes Jahrzehnts dieser Periode: 
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1770—1779 
1780—1789 
1790—1799 
1800—1809 
1810—1813 
sh 
45 
45 
65 
82 
106 
9 
11 
2 
2 
m " 
Der Weizenpreis hatte sich also in vierzig Jahren mehr als verdoppelt. Da ein 
Quarter etwas weniger als 3 Hektoliter (2,91) ist, kommt ein Preis von 106 sh zu etwas 
über 46 Fr. der Hektoliter.
	        
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