162 UW . Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker,
der einen Stufe im Gegensat zu einer andern schärfer zu gestalten.
Als Beispiel solcher Bemühungen sei die Schilderung des kapi-
talistischen Geistes von Max Weber und Tröltsch genannt.!)
Man hat auch unternommen, für eine einzelne Seite des wirt-
schaftlichen Lebens, so für das Gewerbewessen?), eine Stufen-
folge ausfindig zu machen. Wir wollen indessen keine voll
ständige Aufzählung der verschiedenen Versuche, Stufentheorien
aufzustellen, geben. Von einigen, die sich mehr in logischen
Zergliederungen erschöpfen, als daß sie die Dinge selbst erfassen,
gilt wohl das Gleichniswort vom ewigen, ergebnislosen Messer-
weten, von der Gefahr, vor beständigem Wehen der Messer
nicht zum Schneiden zu kommen. Jm ganzen indessen nimmt
man einen Fortschritt der Erkenntnis gerade auf dem Weg der
logischen Zergliederung und durch sie wahr; man sieht die vor-
handenen Unterschiede schärfer. Jm Zusammenhang damit
geht man mehr und mehr von der Aufstellung starrer historischer
Gesetze über die angeblich übereinstimmende Entwicklung aller
Völker zur Ausbildung von Jdealtypen über.
Stufentheorien von Schmoller, Lamprecht, Breysig (vgl. über seine
24 historischen Gesete Zeitschr, f. Sozialw. 1903, S. 303 fs.; V.j.schr.
f. Soz.- u. W. G. 1907, S. 487 ff. und S. 495ff.) Eine eingehende
Berücksichtigung der Stufentheorien auch bei Pesch, Lehrbuch der Nat.
Bd. 1 (dazu Koppers S. 107). Über Mi scherlich, Der wirtschaftliche
Fortschritt (1910) s. meine Besprechung in der V.j.schr. f. Soz.- u.
W. G. 1911, S. 238 ff.; Leonhard, Jahrbücher f. Nat. 98 (1912),
S. 526; eine Auseinanderseßung zwischen Mitscherlich und Plenge s:
in der Zeitschr. f. d. ges. Staatswissenschaft 1911 und 1912. Plenge,
Grundlegung der vergleichenden Virtschaftstheorie, Annalen für
soziale Politik (herausg. v. H. Braun), Bd. 5 (1917), S. 39 ff.
und S. 493 ff. stellt folgende vier Stufen auf (S. 499): ritter-
lich-bäuerliche Periode, Periode der Vollkraft des städtischen Le-
bens, der absoluten Fürsten- und Königsmacht, des neuen Bürger-
tums. Er nähert sich insbesondere mit der dritten Stufe der Schmol-
erschen Stufe der „Territorialwirtschaft“. Weiteres dazu s. unten.
1) Vgl. unten Nr. VII.
2) Köhne, Die Gliederung der deutschen Gewerbegeschichte nach
sozialen Gesichtspunkten, Zeitschr. f. Sozialw. N. F. Bd. 8 (1917),
S. 325 ff., S. 500 ff . S. 589 ff.