Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

In diesen Jahren hatte Lambert Bachem eine niederschmetternde 
Prüfung zu bestehen. Wie schon früher bemerkt, hatte er eine 
buchhändlerische kaufmännische Lehre nicht durchgemacht und 
die Leitung der vier Geschäfte: des Verlags, der Buchdruckerei, 
des Sortiments und der Leihbibliothek ging über die Leistungs 
fähigkeit des ideal veranlagten Mannes, der nach und nach den 
nüchternen Ueberblick über die Geschäfte verloren hatte. Ab 
gesehen von dem großen Verlust an den Provinzialblättern hatten 
sich noch viele Verlagswerke als Nieten erwiesen. Ist doch 
nach einem alten Wort beim Verlegen (ursprünglich bedeutet 
das Wort: die Kosten für etwas übernehmen) nur eines sicher, 
daß man Geld ausgibt; alles andere ist unsicher. 
Schon in der bereits erwähnten umfangreichen Eingabe an den preu 
ßischen Gesandten am Württembergischen Hofe v. Rochow (Bruder des 
Ministers des Innern und der Polizei) vom 2. August 1837 klagt Bachem 
über Verluste. „Mein ganzer Verlag“, sagt er, „kann ziemlich auffallende 
Beweise liefern, wie ich den Kollegen den lukrativen Theil überließ 
und unter Hintansetzung großer Vortheile die ganz entgegengesetzte 
Richtung nahm, um mir den hohem Genuß durch eine Wirksamkeit für 
wissenschaftliche und besonders für Staatszwecke zu verschaffen . . . 
Auch würde mir diese schöne Belohnung [hohe Anerkennungen] völlig 
genügen, wenn die dafür gebrachten Opfer nicht so groß und ein 
sehr bedeutender Theil meines, mir in meinem ausgedehnten Wirkungs 
kreise so höchst nothwendigen Baarvermögens dadurch nicht theils un 
wiederbringlich verloren, theils ziemlich hoffnungslos festgesetzt worden 
wäre. Die daraus erwachsene Verlegenheit ist um so größer, als ich 
von dem, über das ohnehin arme Weinland hereingebrochenen Unglücke 
hart getroffen bin; ich habe bei einem Vorrathe von mehr als hundert 
Ohmen guten Weines, im Besitze eines ausgedehnten, in unserer Stadt 
wie auswärts und besonders in der Buchhändlerwelt geachteten und in 
bestem Rufe stehenden Geschäftes und sonstigen ziemlich bedeutenden 
Mo- und Immobiliar-Vermögens mich deswegen auch jetzt, nachdem der 
siebenjährige Miether, der Bruder des Lords Portarlington, dasselbe im 
vorigen November verlassen hat, — ich spreche es nur mit Wehmuth 
aus — mit dem Gedanken vertraut machen müssen, mein schönes Gut, 
wenn die Anerbietungen den Werth erreichen sollten, zu verkaufen.“ 
ln der Eingabe, deren Zweck die Erlangung einer Unterstützung für die 
Provinzialblätter war, bittet er, „einen hartbelasteten Familienvater und 
Geschäftsmann aus einer bedeutenden Verlegenheit zu retten, worin er 
durch Treue, Anhänglichkeit an den Staat und seine Vertreter, durch 
Vertrauen in ihre Ansichten, wohlbegründete Hoffnungen und Pflichtgefühl 
gerathen ist“.
	        
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