Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

Vorsitzender  gewählt  wurde.  Die  Erinnerung  an  diesen  Vorgang
hält  eine  im  Besitze  des  Aeltesten  der  Familie  befindliche  silbervergoldete ­
  Fruchtschale  fest  mit  der  eingravierten  Inschrift:
„L.  Bachem  die  Cölner  Collegen  9.  Sept.  1843.“  Das  Amt  hat  er
bis  zu  seinem  Tode  innegehabt.
An  dem  Zustandekommen  dieser  Vereinigung,  des  ersten
der  noch  bestehenden  buchhändlerischen  Kreisvereine,  die
auf  eine  Anregung  Fr.  Joh.  Frommanns  in  Jena  ins  Leben
traten,  hatte  Lambert  Bachem  ein  Hauptverdienst.  In  den  Satzungen ­
  wurden  die  Rabattverhältnisse  zwischen  Sortiment  und
Verlag,  sowie  zwischen  Sortiment  und  Käuferschaft  zu  ordnen
versucht,  Maßnahmen  gegen  Schleuderen  vorgesehen  und  überhaupt ­
  die  geschäftlichen  Beziehungen  der  Buchhändler  untereinander ­
  geregelt.  Weil  nur  dann  auf  einen  Erfolg  zu  rechnen  war,
wenn  alle  Buchhändler  unter  denselben  Bedingungen  arbeiteten,
so  sah  der  §  12  der  Satzungen  vor,  daß  mit  Handlungen,  die  bis
Ende  des  Jahres  1843  den  Beitritt  verweigerten,  nicht  mehr  verkehrt ­
  werden  sollte.
Mit  dieser  und  anderen  Zwangsmaßregeln  waren  nun  freilich
weder  Frommann,  noch  andere  Kreise  im  Buchhandel  einverstanden. ­
  Frommann  ließ  es  nicht  daran  fehlen,  den  Buchhandel ­
  darüber  aufzuklären,  daß  er  alles  andere  wünsche,  als
seine  Ansichten  mit  denen  dieses  Vereins  gleichgestellt  zu  sehen.
Als  Zwecke  eines  Kreisvereins  wollte  man  nur  die  Förderung
nützlicher  Einrichtungen  gelten  lassen,  z.  B.  die  Errichtung  eines
neuen  Kommissionsplatzes  in  Köln  oder  gemeinsame  Einkaufsgeschäfte ­
  der  angeschlossenen  Firmen  u.  a.  Allein  der  neue
Verein  ließ  sich  von  dem  eingeschlagenen  Wege  nicht  abbringen,
ohne  aber  auch  die  genannten  Ziele  zu  vernachlässigen.
Schon  in  der  Gründungsversammlung  war  der  Vorschlag  besprochen ­
  worden,  Kö  1  n  zu  einem  Speditionsplatz  für  Rheinland ­
  und  Westfalen  zu  erheben.  Die  Kölner  Buchhändler,  die
man  mit  der  bez.  Aufgabe  betraut  hatte,  teilten  in  einem  Rundschreiben ­
  vom  1.  Januar  1844  mit,  daß  sie,  um  „allen  gerechten
Anforderungen  zu  entsprechen“,  es  für  nötig  erachtet  hätten,
„diese  Speditions-  und  Commissions-Versorgung  einem  von  allen
hiesigen  Buchhandlungen  unabhängigen  Geschäfte  zu  übertragen,
und  deshalb  beschlossen,  dasselbe  mit  der  von  ihnen  unter  der
Firma  »Kölner  Verlagsverein«  gegründeten  Verlagsbuchhandlung, ­
  über  deren  Unternehmungen  wir  Ihnen  das  Nähere  s.  Z.
            
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