Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

wie er es bei Gelegenheit der Nachsuchung der Zulassung zum 
Betriebe des Buchhandels und der Druckerei im Jahre 1854 in 
einer Eingabe an die preußische Regierung führte. 
„Geboren am 21. Oktober 1821 in hiesiger Stadt,“ heißt es da, „besuchte 
ich nach dem Austritt aus der damaligen Pfarrschule zu St. Alban von 
Ostern 1830 bis Herbst 1837 die hiesige höhere Bürgerschule, welche ich 
nach gemachtem Abiturienten-Examen mit dem Prädikat „vorzüglich be 
standen“ verließ, um in das Geschäft meines Vaters einzutreten. In dem 
selben bestand ich am 20. November 1837 bis 17. September 1840 die 
Lehre als Buchhändler und arbeitete ferner als Gehülfe in dem 
selben bis Ende 1843, indem ich mich zugleich speziell mit der Erlernung 
der Buchdruckerei beschäftigte. Letztere Beschäftigung setzte ich bis 
Ende 1847 fort, während ich als Gehülfe und später Geschäftsführer in 
der Verlagsbuchhandlung des „Kölner Verlagsvereins“ arbeitete 23 , 
da mir dazu fortwährend Zeit verblieb. Anfangs 1848 ging ich als Bevoll 
mächtigter des „Kölner Verlagsvereins“ nach Brüssel und Paris, um 
dort für die Gemeinschaft der Buchhändler Kölns neue Geschäftsverbin 
dungen anzuknüpfen. Die Erfolglosigkeit meiner Bemühungen veranlaßte 
mich, Anfangs Februar in das alte, wohlrenommierte Bankgeschäft von 
P. J. Chedeaux & Cie. in Paris einzutreten 24 , wo mir in Folge guter Emp 
fehlungen die Führung des Journals an vertraut wurde. Die mit der 
Februar-Revolution für den Handelsstand eintretenden schlimmen Con- 
juncturen zwangen dieses, in große algierische Landspekulationen ver 
wickelte Haus bald nachher seine Zahlungen einzustellen. Ohne Aussicht 
auf eine neue Stelle, ging ich nach Köln zurück, wo damals Vorbereitungen 
zur Gründung der Rheinischen Volkshalle getroffen wurden, und 
dort trat ich am 12. September 1848 als zweiter Gerant der Actien- 
Commandit-Gesellschaft H. Stienen & Comp, in deren Dienste. Nach Auf 
lösung dieser Gesellschaft erhielt ich die Stelle als Gerant der neuge 
bildeten Actien-Commandit-Gesellschaft Jos. Bachem & Comp., als welcher 
ich die kaufmännische Geschäftsführung und den Verlag resp. Verkauf 
der Deutschen Volkshalle vom 1. October 1849 bis zum 15. Juli 
1854 betrieb. Durch den am 10. Januar d. J. erfolgten Tod meines ein 
zigen Bruders 25 , der das Geschäft meines schon seit längerer Zeit schwäch 
lichen und seit September vor. J. fast ununterbrochen kranken Vaters 
selbständig führte, war diesem Geschäft die Stütze entrissen. Vom 
Januar bis Juli d. J. konnte ich, mit der Geschäftsverwaltung der 
Deutschen Volkshalle beschäftigt, kaum die nöthige Zeit gewinnen, 
um dasji väterliche Geschäft — in welchem bekannter Maßen meiner 
Schwester und mein einziges Vermögen beruht — nicht in Stillstand 
kommen zu lassen. Dies war umsomehr der Fall, als die Generalver 
sammlung der Actionäre in jenen Zeitraum fiel, und ich diesen gegen 
über gehalten war, alles in der pünktlichsten Ordnung zu überliefern. 
Von Anfang August bis Oktober war mein sei. Vater im Bade abwesend,
	        
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