s
48
beruhend, allen Staatsbürgern gleiche bürgerliche und politische
Berechtigung sichert, die freie und selbständige Entwicklung des
Individuums am wenigsten beschränkt und gegen jede ungehörige
Bevormundung durch die Staatsgewalt die meiste Garantie bietet“.
Auch dem religiösen Elemente sollte sie ihre Aufmerksamkeit
zuwenden, [die kirchliche Freiheit und 'die Unabhängigkeit der
Kirche vom Staat fordern.
Ueber diese Bestrebungen berichtete Lambert Bachem seinem
Sohne Josef, der sich damals in Paris aufhielt. Dort hatte ihm
die Empfehlung von Prof. Dieringerin Bonn das Haus des Grafen
Montalembert erschlossen, des Präsidenten des „Comite pour
la defense de la liberte religieuse“, wo er mit manchen anderen
Herren der katholischen Bewegung bekannt wurde. Durch Louis
Veuillot erhielt er einen Einblick in die Schriftleitung des
Univers, wo er eine Zeitlang bei der Bearbeitung deutscher
Nachrichten behilflich war. Auch als Berichterstatter versuchte
sich Josef Bachem; außer dem im Verlag seines Vaters er
scheinenden „Organ für Handel und Gewerbe“ gewann er
noch die „Saar- und Moselzeitung“ in Trier und die „Wies
badener Zeitung“ für den Abdruck seiner Beiträge, die mit je
15 Franken bezahlt wurden. An Stoff fehlte es in jener bewegten
Zeit keineswegs, und er hätte wohl seine Tätigkeit, die ihm lieb
zu werden anfing, noch längere Zeit beibehalten, wenn nicht die
Nachricht von der beabsichtigten Gründung der „Rheinischen
Volkshalle“ zu ihm gedrungen wäre. In der Hoffnung, an diesem
Blatte eine Stellung zu finden und damit seine lang gehegten
Wünsche in Erfüllung gehen zu sehen, eilte er nach halbjährigem
Aufenthalt in Paris am 2. August 1848 in die Heimatstadt zurück.
In der Tat wurde er hier bei der Gründung der Rheinischen
Volkshalle zum zweiten Geranten [Geschäftsführer] gewählt. Zu
ihrem Herausgeber hatte sich im September 1848 eine Aktien-
Kommanditgesellschaft 32 gebildet unter der Firma „H. Stienen & Co.“,
deren Kapital im Betrag von 30000 Taler in Aktien zu 5 Taler und
1200 Losen zu 25 Taler eingeteilt war. Heinrich Stienen war erster
Gerant, obwohl er von der Tagesschriftstellerei gar nichts ver
stand. Als Schriftleiter an dem neuen Blatt, dessen erste Nummer
am 1. Oktober 1848 erschien 33 , war Wilhelm v. Chezy gewonnen
worden, der Sohn eines Orientalisten und der Dichterin Helmine
v. Chezy, einer Enkelin der Volksdichterin Anna Luise Karsch
(der „Korschin“). Den Druck der Zeitung erhielt die Firma