Full text : Ferdinand Lassalle

120

Aber  noch  mehr:  ich  zeige,  daß  die  Herrschaft  der  Idee
der  Bourgeoisie  eine  weltbefreiende,  historische  Tat,
daß  sie  der  gewaltigste  sittliche  und  kulturhistorische  Fortschritt ­
  war,  daß  sie  sogar  die  unerläßliche  weltgeschichtliche ­
  Vorbedingung  und  Durchgangsstufe  war,  um  zu
der  Entwicklung  der  Idee  des  Arbeiterstandes  zu  führen.
Ich  versöhne  so  den  Arbeiterstand  mit  der  Herrschaft
der  Bourgeoisie  in  der  Geschichte,  indem  ich  die  objektive
Vernünftigkeit  dieser  Herrschaft  aufzeige.  Ich  versöhne ­
  ihn  damit,  denn  das  ist  die  höchste  Versöhnung,
daß  wir  die  Vernünftigkeit  von  dem  begreifen,  waS  uns
beengt.
Und  wenn  ich  nun  weiter  zeige,  daß  auch  die  Idee  der
Bourgeoisie  noch  nicht  die  höchste  Stufe  der  geschichtlichen ­
  Entwicklung,  noch  nicht  die  letzte  Blüte  der  Vervollkommnung ­
  ist  —,  daß  hinter  ihr  eine  noch  höhere
Manifestation  des  Menschlichen  steht,  zu  welcher  jene
frühere  Stufe  den  Grund  gelegt  hat,  heißt  dies  zu  Haß
und  Verachtung  gegen  diese  anreizen?
Ebensogut  müßten  die  Arbeiter  dann  sich  selber,
die  gesamte  menschliche  Natur,  in  sich  wie  in  andern
hassen  und  verachten,  weil  es  eben  das  Gesetz  der
menschlichen  Natur  ist,  nur  schrittweise  sich  zu  entfalten ­
  und  in  jeder  früheren  Entwicklung  die  unumgängliche ­
  Bedingung  der  folgenden  zu  haben.
Ich  bin  angeklagt,  die  Besitzlosen  zum  Hasse  und  zur
Verachtung  gegen  die  besitzenden  Klassen  aufgereizt
zu  haben.
„Durch  diese  Darstellung"  —  sagt  die  Anklage  in  ihrer
Begründung  —„werden  aber  offenbar  die  Arbeiter  zum
Haß  und  zur  Verachtung  gegen  die  Bourgeoisie,  d.  h.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.