Full text : Ferdinand Lassalle

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Die  anderen  sind  neben  diesem  sausenden  Temperament
behutsame  Gänger,  vorsichtig  Trippelnde.
Versteht  sich,  daß  ein  Temperament  von  solchem  Elan
unter  schlichten  Menschen  gläubige  Anhänger  finden  konnte,
daß  aber  die  Geistigen,  deren  Wesen  Skepsis,  Bedenklichkeit ­
  und  Schwunglosigkeit  ist,  ihm  nie  ganz  gerecht
wurden.  Selbst  Karl  Marx  erwies  sich  neben  ihm  vor  allem
als  der  strengste  Professor  der  Volkswirtschaft,  kritisch,
Fehler  feststellend  und  ohne  volles  Verständnis  für  das
Wesentliche  an  Lassalle:  für  die  glühende  Kraft  seines
parteischaffenden  Wesens.  Je  lebendiger  die  Wirkungen
waren,  die  von  dem  schöpferischen  Politiker  Lassalle  ausgingen, ­
  um  so  kümmerlicher  war  sein  Kontakt  mit  Marx;
man  braucht  kein  Prophet  zu  sein,  um  festzustellen,  daß
»  Lassalle,  wenn  er  länger  gelebt  hätte,  von  Marx  manche
strenge  Zensur  empfangen  hätte,  und  daß  die  Stunde
gekommen  wäre,  in  der  dieser  selbstherrlichste  aller  Demokraten ­
  sich  die  Ausstellung  aller  wissenschaftlichen  Tadelbriefe ­
  verbeten  hätte.  Marx  aber  hatte  noch,  selbst  ein
schöpferischer  und  Lassalle  überlegener  Kopf,  die  Toleranz, ­
  die  den  Großen  eignet.  Mit  welchen  Oberlehrergefühlen ­
  aber  stehen  viele  wissenschaftliche  Sozialdemokraten ­
  Lassalle  gegenüber,  vor  allem  sein  strenger  Biograph ­
  Eduard  Bernstein!  Liest  man  Bernsteins  Einleitung ­
  zu  der  von  ihm  besorgten  Herausgabe  von
Lassalles  Werken,  so  fällt  einem  unwillkürlich  Jonathan
Swifts  Gulliver  ein:  ein  wissenschaftlich  bebrillter
Zwerg  krabbelt  über  den  Leib  eines  Niesen  und  stellt
allerlei  theoretische  Unregelmäßigkeiten  des  Bekrochenen
fest.  Vom  ungeheuren  Umfang  dieses  breitbrüstigen  Temperamentes ­
  kann  Bernsteins  reflektierende  Bedächtigkeit
            
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