Full text : Ferdinand Lassalle

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keine  Vorstellung  geben.  Dagegen  prägt  er  den
Volksmasscn  ziemlich  deutlich  ein,  daß  Lassalle  höchstwahrscheinlich ­
  an  einem  unsympathischen  Unterleibsleiden ­
  gelitten  habe.  Auch  ein  psychologischer  Zeichner
wie  Georg  Brandes  hat  für  das  Vulkanische  Lassalles
kein  rechtes  Verständnis.  Was  soll  man  dazu  sagen,
wenmBrandeö  als  Erklärung  für  das  brausende  Gerechtigkeitsgefühl ­
  Lassalles  annimmt.  Lassalle  habe  über
jüdische  „Chuzpe",  d.  i.  über  naiv-unverschämte  Anmaßung, ­
  verfügt.  Dieser  naturhafte  Donner  des  Lassalleschen ­
  Rechtsbewußtseins,  vor  dem  routinierte  Gerichtspräsidenten ­
  unsicher  wurden,  wird  von  Brandes  mit  der
arroganten  Technik  eines  unerzogenen  Advokaten  verglichen ­
  oder  verwechselt.
Dieses  Büchlein  zeigt  Lassalle  auS  der  nächsten  Nähe.
Mit  gelindem  Erschrecken  wird  der  Leser  schon  in  den
Tagebuchaufzeichnungen  des  Handelsschülers  die  kommende ­
  Schicksalstragödie  wahrnehmen:  die  maßlose
Wut,  die  der  ungewöhnliche  Jüngling  unter  armseligen
Lehrern  hervorruft,  sein  unwillkürlich  revolutionierendes
Temperament,  die  plötzlich  sich  einstellende  Zähigkeit
und  Unempfindlichkeit,  wenn  einmal  der  Kampf  begonnen ­
  hat,  und  sogar  schon  die  Melancholie  des  Schlusses.
In  den  Briefen  an  die  Eltern  wird  man  die  merkwürdige
Zweiteilung  des  jüdischen  Helden  wahrnehmen.  Er
brennt  nach  der  deutschen  Revolution  und  gibt  dem
Vater  Ratschläge,  welche  Papiere  er  unter  solchen  politischen ­
  Umständen  an  der  Börse  kaufen  soll.  Schon  in
diesen  Briefen  aber  deutlich  der  brennende  Wunsch'nach
politischer  Aktion.  Gegenüber  den  verzehrenden  Leidenschaften ­
  dieses  Mannes,  dessen  Hand  immer  gleich  gierig
            
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